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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2016
Gott suchen in Auschwitz?
Eine Begegnung mit Überlebenden
Der Inhalt:

Wo Minister Müller recht hat

Ein Bündnis von Entwicklungshilfe und Religionsgemeinschaften ist sinnvoll

Die Ankündigung von Entwicklungsminister Gerd Müller, die Zusammenarbeit mit Religionsgemeinschaften zu verstärken, ist von Konfessionslosen und Atheisten als »völlig verfehlter Ansatz« kritisiert worden. Er verstoße zudem »gegen das Gebot der weltanschaulichen Neutralität«. Sie argumentieren: Dort, wo sich die Lebensbedingungen verbessern, büßen religiöse Überzeugungen an Bedeutung ein. Deshalb könne mehr Religion nicht die Antwort auf Entwicklungsprobleme sein.

Richtig ist: Bildung ist ein entscheidender Faktor in der Entwicklungshilfe. Sie ist die wirksamste Waffe gegen religiöse Bevormundung, Aberglauben, überkommene Tradition und autoritär-patriarchalisches Gedankengut. Doch der Umkehrschluss, wonach gebildete und wohlhabende Gesellschaften automatisch atheistisch sind, ist Unsinn. Er ist weder historisch haltbar noch eine sinnvolle Zukunftsvision.

Historisch gesehen waren es religiös sensible Menschen, die sich gegen die Eroberungszüge der Conquistadoren und Kolonialherren stellten. Natürlich waren auch sie Kinder ihrer Zeit. Aber weil es ihnen um das »Seelenheil« ging, waren sie nicht zuerst an Gold und Land interessiert, sondern bemühten sich um den Aufbau von Schulen, Kranken- und Gotteshäusern. Das hohe Ansehen der Religionen in den meisten Regionen der Welt rührt nicht zuletzt aus diesem Engagement.

Darüber hinaus können Religionen überaus wichtige Übersetzungsdienste leisten, weil die Nachhaltigkeit jeder Maßnahme davon abhängt, ob kulturell sensibles Wissen vor Ort mit technischen und geistigen Innovationen in Einklang gebracht werden kann. Gelingt dies nicht, wird Entwicklungshilfe als »Diktat von außen« abgelehnt. Das bedeutet freilich nicht, dass es egal ist,