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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2015
Kann Religion Frieden?
Was die Macht des Terrors bricht
Der Inhalt:

»Kein Morden im Namen Gottes!«

Seyran Ates fordert genau das. Lamya Kaddor hatte fünf Schüler, die sich nicht darum scherten. Und Markus Weingardt hofft, dass die religiösen Stimmen des Friedens endlich lauter werden. Ein Gespräch über Krieg und Frieden

Publik-Forum: Jüngst hat der Dalai Lama bekannt: »An manchen Tagen denke ich, es wäre besser, es gäbe keine Religionen.« Was würden Sie ihm an diesen Tagen sagen?

Markus Weingardt: Das sind die Tage, an denen er keine Zeitung lesen sollte. Die Massenmedien zeichnen ein Zerrbild von Religionen. Zum Beispiel nach den Morden von Paris im Januar dieses Jahres. Vermittelt wurde wieder einmal das Bild einer prinzipiell gefährlichen Religion, in diesem Fall des Islams. Sehr oft wird Religion als Konfliktursache dargestellt und der Eindruck erweckt: Ohne sie wäre die Welt besser. Wenn man sich aber diese Welt genau anschaut, dann entsteht ein anderes Bild. Religion trägt nicht nur zu Krieg und Gewalt bei, sondern sehr häufig auch zu Frieden und Gewaltlosigkeit – so wie der Dalai Lama ja auch.

Frau Ates, wäre es an manchen Tagen besser, es gäbe keine Religionen?

Seyran Ates: Ja, ich muss mich dem Dalai Lama anschließen. Ich denke oft, das Übel liegt darin, dass es so viele Religionen gibt. Warum müssen wir uns mit so unterschiedlichen Definitionen von Gott, von Glaube und Güte herumschlagen? Religion ist das, was Menschen daraus machen. Und oft machen sie aus Religion Gewalt.

Lamya Kaddor: Ich bin über den Satz des Dalai Lama nicht glücklich, weil er ausdrückt, dass viele Menschen die Rolle der Religion überbewerten. Aber wir können sie gar nicht hoch genug schätzen! Religionen machen Menschen ein Angebot, sich zu verorten, Sinn zu finden, friedvoller zu werden. Sie werden erst dann problematisch, wenn man sie benutzt, um Gewalt zu legitimieren. Aber im Prinzip ist keine Reli