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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2013
Wohin denn noch?
Abschied vom Wachstumswahn
Der Inhalt:

Wenn der Bischof erschrickt

Evangelische und katholische Ethik sind viel pluraler und differenzierter, als viele meinen. Eine Antwort auf Ulrich Körtner

In seinem Beitrag »Liebe oder Lehre?« (Publik-Forum 3/2013) hat der in Wien lehrende evangelische Theologe Ulrich Körtner der katholische Kirche vorgeworfen, ihr Naturrechtsdenken in ethischen Fragen immer mehr zu überziehen und Vorstellungen einer »autonomen Moral« abzulehnen. Demgegenüber betone die evangelische Ethik die Gewissensentscheidung des Einzelnen und damit eine Verantwortungsethik – fußend auf den christlichen Werten Freiheit, Verantwortung und Liebe. Der katholische Ethiker Dietmar Mieth aus Tübingen ist mit dieser Darstellung nicht einverstanden.

Ulrich Körtner hat versucht, die evangelische Ethik für seine eigene Auffassung zu reklamieren. Die evangelische Ethik ist freilich viel pluraler aufgestellt: So kritisiert zum Beispiel der evangelische Theologe Eilert Herms die evangelischen Befürworter einer Liberalisierung des Embryonenschutzes, die 2002 gemeinsam ein Schreiben in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung veröffentlicht hatten, unter ihnen auch Ulrich Körtner. Herms wendet sich gegen das in dieser Konzeption enthaltene »Zuschreibungsmodell« der Menschenwürde, das gerade dann zum Zuge kommt, wenn man den Beginn des Lebens eines Menschen nicht hinnehmen, sondern bestimmen will.

Eine differenzierte moraltheologische Auffassung hat auch die katholische Theologin Hille Haker, Mitglied der EU-Ethikberatergruppe, vorgetragen. Oder man beachte die fundamentalistischen Strömungen und ihre Einstellung zu gesellschaftlichen Veränderungen. Die Spannungen gehen quer durch die Konfessionen. Als jemand, der die evangelische Basis und sehr unterschiedliche evangelische Kollegen kennengelernt hat, kann ich das durchaus bezeugen.