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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2013
Wohin denn noch?
Abschied vom Wachstumswahn
Der Inhalt:

Tour der 1000 Brücken

von Peter Brandhorst vom 08.03.2013
Heinz Ratz will mit Sport und Musik auf das Elend der Flüchtlinge in deutschen Unterkünften hinweisen

Ein wenig hat er sich verspätet, ein paar Minuten nur, aber Heinz Ratz will sich jetzt doch zunächst erst einmal entschuldigen, dass er von unterwegs nicht durchgerufen hat. Sein Handy ist gerade kaputt. Nun steht er da also, die Hände noch tief in den Taschen eines dicken Kapuzenpullovers vergraben, schaut eher schüchtern zur Bedienung und bestellt sich einen Cappuccino.

Heinz Ratz, mit insgesamt 47 Wohnungsumzügen früher überall und nirgendwo zu Hause und seit 2005 in Kiel dann doch noch heimisch geworden, ist viel beschäftigt, als Sänger, Musiker und Autor. Soeben startete er in München eine mehrmonatige Deutschland-Tournee, in diesen Tagen kommt zudem ein neuer Siebzigminutenfilm über ihn in die Kinos. Und wie immer wird Ratz dann wieder die Öffentlichkeit nutzen, um auf einen gesellschaftlichen Missstand hinzuweisen, so wie er ihn sieht. Mit Tour, dazugehörender CD und Film rückt der 44-Jährige das Schicksal von Flüchtlingen in den Fokus, die in Deutschland abgeschottet in Lagern leben. Die Einnahmen will er Flüchtlingen zur Verfügung stellen.

Bereits 2011, als Vervollständigung seines sogenannten »Moralischen Triathlons«, war Ratz drei Monate lang bei Wind und Wetter 5500 Kilometer auf dem Fahrrad durch Deutschland unterwegs und hat dabei siebzig Flüchtlingsunterkünfte besucht. Abends trat er mit seiner Band Strom & Wasser bei öffentlichen Konzerten auf, um die »erbärmlichen Bedingungen« anzuklagen, unter denen die Menschen in den Lagern existieren müssen. Schon damals haben Ratz und seine Musikerkollegen den Erlös dieser zusammen mit Pro Asyl organisierten »Tour der 1000 Brücken«, knapp 17 000 Euro, vor Ort der jeweiligen Flüchtlingsarbeit überlassen. Aus Sicht der Musiker nicht weniger bedeutend: Bei den Begegnungen in den Lagern haben sie Flüchtlinge kennengelernt, die selbst hervorragende Musiker sind.

Inzwischen ist daraus eine eigene Gruppe The Refugees entstanden, welche Ratz bei seiner neuen Tournee begleiten wird – acht bis zehn aus Afrika, Osteuropa, Afghanistan und Griechenland stammende Frauen und Männer mit einer »modernen musikalischen Mischung aus Reggae, Ska und Balkanbeat«, so Ratz. Im Januar 2013 erschien eine weitere CD. Schon im Herbst 2012 wurde Ratz auf Vorschlag der Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Bundestag, Renate Künast und Jürgen Trittin, für sein besonderes Engagement für Flüchtlinge von Staatsm

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