Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2013
Wohin denn noch?
Abschied vom Wachstumswahn
Der Inhalt:

Die Hauswächter

von Knut Henkel vom 08.03.2013
Sie bewohnen und bewachen für wenig Miete alte Herrenhäuser, Fabriken oder ausrangierten Schulen, für die es noch keine neuen Nutzungskonzepte gibt

Der unscheinbare Klinkerbau steht gleich am Ortseingang von Gülzow. Eine geräumige Garage und ein kleiner Hof gehören zu dem zweistöckigen Gebäude, in dem Licht brennt. Dirk Rahn lenkt seinen Wagen auf die Auffahrt des Einfamilienhauses. Das könnte in vielen Dörfern rund um Hamburg stehen, denn zahlreiche Familien aus der Großstadt haben sich in den vergangenen Jahren den Traum vom Haus im Grünen erfüllt. »So war es wohl auch mit diesem Einfamilienhaus. Doch das gehört jetzt einer Leipziger Immobilienfirma, und solange der Makler keinen Käufer findet, wohnen zwei Hauswächter darin«, erklärt Dirk Rahn und steigt aus dem Wagen. Der schlanke Mann mit den leicht melierten schwarzen Haaren trägt eine dunkle Weste mit dem grünen Camelot-Logo. Das zeigt die Silhouette einer Burg, die den Kunden suggerieren soll, dass ihre Immobilie in besten Händen ist. So wie das Einfamilienhaus in Gülzow, das Dirk Rahn seit mehr als einem Jahr im Bestand hat und für das er lange nach zuverlässigen »Hauswächtern« gesucht hat.

Die hat er mit Aedín Walsh und Freimuth Leonhard gefunden. Die beiden stehen in der Haustür, begrüßen Rahn wie einen guten Bekannten und laden ihn zum Tee ein. Der Camelot-Mann schaut einmal im Monat nach dem Rechten, kontrolliert den Verbrauch von Strom, Wasser und Heizung und informiert sich, ob alles in Ordnung ist oder Handwerker einen Schaden beheben müssen. So wie die nasse Hauswand vor ein paar Wochen, die der angehende Zimmermann Freimuth Leonhardt meldete und die nun wieder trocken ist. »Das sind typische Schäden, die bei Leerstand nicht registriert werden. Folgeschäden können so den Wert einer Immobilie schnell reduzieren; undichte Dächer und zerbrochene Scheiben gehören auch dazu«, erklärt Rahn und nippt an seinem dampfenden Tee in der Wohnküche des geräumigen Hauses.

Viel Platz für wenig Geld

Vor allem den Platz genießen Aedín Walsh, eine gebürtige Irin, und der 24-jährige Schwabe Freimuth Leonhardt in vollen Zügen. Leonhardt hat sich in der geräumigen Garage, wo locker drei Pkw Platz hätten, eine Holzwerkstatt eingerichtet. Dort hat er den Tresen für die Küche gebaut, der auf Böcken ruht und nicht fest installiert ist. Das ist Vorschrift. Nichts darf an der Struktur der von Hauswächtern bewohnten Immobilien verändert werden, betont Rahn und deutet wie zum B

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen