Zur mobilen Webseite zurückkehren
Schriftgröße ändern:

Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2013
Wohin denn noch?
Abschied vom Wachstumswahn
Der Inhalt:

Mama, weine nicht!

Agnieszka K. pflegt in Deutschland alte Menschen.
Damit ihre Familie in Polen überleben kann

Leider gibt es in Polen keine Arbeit für Frauen über fünfzig. Wenn ich zu Hause eine normale Tätigkeit fände, würde ich nicht in Deutschland arbeiten. Obwohl hier besser bezahlt wird. Es tut so weh, wenn ich meinen Mann und meinen Sohn in Polen zurücklassen muss. Die Trennung ist für mich das Schlimmste. Doch mir bleibt keine andere Wahl. Die materielle Situation hat mich gezwungen, im Ausland zu arbeiten. Sonst haben wir nicht genug zum Leben, wir drei, kein Leben in Würde.

Seit März 2012 arbeite ich nun als Pflegekraft in Deutschland; zuvor habe ich in Italien gearbeitet. Ich hatte schon Erfahrung in der Pflege, denn ich habe mich lange um meine Mutter gekümmert, die viele Jahre krank war und vor Kurzem gestorben ist. Sie war ein wunderbarer Mensch. Ich habe jetzt schon bei zwei Familien in Deutschland gearbeitet, jeweils drei Monate lang.

Seit Oktober bin ich bei einer älteren Dame, die krank ist. Ich arbeite an sechs Tagen in der Woche, morgens mache ich Frühstück, die Toilette mit der Klientin und während des Tages alle üblichen Hausarbeiten, zudem die Pflegearbeiten. Die Arbeit ist körperlich schwer, doch ich glaube, dass ich es schaffe. Die alte Dame und ich, wir reden viel miteinander. Der Sohn und die Schwiegertochter der Frau wohnen nebenan. Alle behandeln mich wie ein Familienmitglied – nicht wie jemanden, der bloß pflegt, putzt und kocht. Besonders guten Kontakt habe ich zur Schwiegertochter, die sich sehr um ihre Schwiegermutter kümmert. Sie hat eigene Kinder und kann nachzuvollziehen, wie es ist, ein Kind so lange Zeit zurückzulassen.

Wenn die alte Dame und ich nach dem Probemonat weiter zusammenarbeiten wollen, werde ich insgesamt drei Monate bleiben. Das ist da