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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2013
Wohin denn noch?
Abschied vom Wachstumswahn
Der Inhalt:

Die Ungleichheit wächst

Bereicherung hier, Abstieg dort: Zweifel am politischen System

Hans-Ulrich Wehler
Die neue Umverteilung
Soziale Ungleichheit in Deutschland. bsr 6096. 192 Seiten. 14,95 €

Dass die soziale Ungleichheit in Deutschland abnimmt, glauben nur noch der FDP-Vorsitzende Philipp Rösler und seine Partei. Der Hauptbefund im Entwurf des etwa 500 Seiten starken Armuts- und Reichtumsberichts »Lebenslagen in Deutschland«, in Auftrag gegeben vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales, lautet: Die Ungleichheit wächst. So verfügen 10 Prozent der Reichsten über 53 Prozent des Gesamtvermögens, während der unteren Hälfte der Haushalte gerade mal 1,2 Prozent bleiben.

Die Schere zwischen sehr reichen und weniger gut gestellten Bevölkerungsgruppen ist rasant auseinandergegangen. Was im Entwurf zu der Überlegung führte, »ob und wie über die Progression in der Einkommensteuer hinaus privater Reichtum für die nachhaltige Finanzierung öffentlicher Aufgaben herangezogen werden kann«. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler verweigert dem Entwurf die Zustimmung. Die FDP wollte schon im Keim jeden Gedanken daran ersticken, dass höhere Steuern auf Millionenvermögen oder Erbschaften zu einem Projekt der Regierung werden könnten.

FDP-Mitglieder und -wähler sollten das neue Buch des ehemaligen Geschichtsprofessors und renommierten Autors der »Deutschen Gesellschaftsgeschichte« (fünf Bände), Hans-Ulrich Wehler, einmal lesen. Der streitbare Wehler beweist mit scharfem historischen Blick, wie rasant sich in den letzten vierzig Jahren die Ungleichheit in Deutschland entwickelt hat: »Auf der einen Seite Abermillionen von Arbeitslosen; die zumal in Ostdeutschland, aber auch in westdeutschen Industrierevi