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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2012
Ich glaube
Der Konflikt um das Bekenntnis der Christen
Der Inhalt:

Wie grün sind die Muslime?

von Thomas Klatt vom 04.05.2012
Umweltschutz und Energiepolitik sind bislang kaum ein Thema für gläubige Muslime. Doch der Öko-Islam kommt. Manch einer drängt schon auf einen islamischen Öko-Kirchentag

Sonntagnachmittag in der Berlin-Kreuzberger DITIB-Moschee in der Wiener Straße: Zehn verschleierte Frauen mit einigen Kindern und einem alten Mann sitzen im Hinterhofsaal und lauschen einem Vortrag, wie sie ihn hier noch nie gehört haben. Die junge Studentin Yasemin Aydemir vom Yesil Çember, dem Grünen Kreis beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), gibt Tipps zum Energiesparen. Doch zunächst geht sie auf den eigenen Glauben ein. »Der Prophet hatte wenig Kleidung. Dass wir heute im Überfluss leben, ist nicht gut. Zum Beispiel gehen wir zu H&M und kaufen für vier Euro ein T-Shirt und wissen nicht, wo und wie das produziert wurde. Der Prophet sagt, dass wir bei der rituellen Waschung das Wasser nicht verschwenden sollen. Wir müssen Tiere mit Respekt behandeln und Fleisch nur mit Maßen verzehren«, trägt Aydemir in fließendem Türkisch vor. Gerade in vielen muslimischen Haushalten gelte in puncto Fleischverzehr die Maxime: viel und billig! Und bei überdurchschnittlich vielen türkischen und arabischen Kindern und Jugendlichen sei Übergewichtigkeit mittlerweile ein Dauerproblem.

Vor fünf Jahren wurde Yesil Çember gegründet, um vor allem türkischsprachige Migranten in Sachen Umweltschutz direkt anzusprechen. Heute sind es etwa ein Dutzend Aktivistinnen. In der Regel geht es in ihren Vorträgen um zwei Punkte: Erstens verlange die Lehre des Islams einen achtsamen Umgang mit der Natur. Zweitens spare das auch noch jede Menge Geld – durch Mülltrennung, moderates Heizen, kurzes Lüften der Zimmer, Einsatz von Energiesparlampen oder von Steckerleisten, um den Strom generell abzuschalten.

Die Frauen im Kreis sind beeindruckt. Bisher haben sie in ihrer Moschee kaum etwas vom Umweltschutz gehört. Bei der Freitagspredigt sei er nur ein Mal ein Thema gewesen, erinnern sie sich. Aber: Es habe im Umkreis der Berliner DITIB-Moschee immerhin schon mal eine Ausbildung von Frauen zu Haushaltsberaterinnen gegeben.

Ein erstes Hoffnungszeichen, meint die junge Öko-Aktivistin Yasemin Aydemir. Aber dass Muslime sich konkret für den Umweltschutz einsetzten, sei leider immer noch ein sehr seltenes Phänomen. Das liege auch daran, dass sich die großen Verbände wie greenpeace, Nabu, BUND oder WWF bisher kaum um diese Zielgruppe gekümmert hä

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