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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2011
Kein Gott, nirgends?
Stephen Hawkings Theo-Physik
Der Inhalt:

Kairos in Kairo

von Britta Baas vom 29.04.2011
Hundert Jahre Internationaler Frauentag: Der Westen der Welt feiert. In Nordafrika ringen Frauen um politische Teilhabe

In Übergangszeiten werden Weichen gestellt. Eine Revolution macht noch keine neue Regierung, und Hoffnung auf Demokratie noch keine gute Politik. In Ägypten, Tunesien und Libyen ist offen, wie sich die neue Macht etablieren wird, wie die Verfassungen künftig aussehen werden, wer Bündnisse eingehen oder ablehnen kann.

Eine offene Situation, auch und gerade für die Frauen. In allen Ländern, die sich jüngst gegen ihre Machthaber erhoben, haben sie die Revolutionen mitgetragen. Sie waren auf der Straße, in Gefängnissen und Folterkammern. Sie haben gekämpft und gelitten, gejubelt und geweint. Nun wollen sie mitreden, wo es um die Zukunft geht.

Doch wieder zeigt sich, dass Macht nur gewinnt, wer gut organisiert ist, über Geld, Netzwerke und eine Lobby verfügt. Eben über das, woran es Frauen in den arabischen Ländern mehrheitlich mangelt.

Ihr Leben lässt sich beileibe nicht über einen Kamm scheren: Im halb säkularisierten Ägypten gehören die Ägypterinnen teils zu islamistischen, teils zu säkularen, teils zu religiös-liberalen Kreisen. Die bislang oppositionellen Muslimbrüder haben die Muslimschwestern an ihrer Seite: Die verstehen sich als Basisbewegung, die die Gesellschaft durch eine Mischung aus Aufklärung und Spiritualität »von unten« verändern will. Doch die Muslimbrüder sind jetzt eine der stärksten Gruppen im Prozess um die Neuformierung ägyptischer Macht. Werden sie auf die Frauen aus den eigenen Kreisen politisch Wert legen? Auf Frauen, die teils hohe Medienpräsenz haben, aus allen gesellschaftlichen Schichten kommen? Und selbst wenn Muslimschwestern der neuen Regierung angehörten: Würde das der Frauenbewegung in Ägypten insgesamt nützen – oder schaden?

Alle ägyptischen Frauengruppen müssten jetzt schnell die Möglichkeit bekommen, sich untereinander über ihre Konzepte auszutauschen – auch mit Frauengruppen aus anderen arabischen Ländern, die frisch aus der Revolution kommen. Dafür bräuchten sie finanzielle und logistische Unterstützung aus dem Westen. Der – ehrenamtlich arbeitende – Frauensicherheitsrat pocht deshalb darauf, dass die von westlichen Regierungen lockergemachten Mittel für Projekte zur Demokratieförderung zu fünfzig Prozent an Frauen gehen sollen. Doch genau das passiert bislang nicht.

Wie schlecht es um die Frauenlobby bestellt ist, zeigt ein Ereignis der letzt

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