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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2011
Kein Gott, nirgends?
Stephen Hawkings Theo-Physik
Der Inhalt:

Die Freiheit und der lange Atem

von Hartmut Meesmann vom 29.04.2011
Die Schwäche des Gottesglaubens und die Krise der katholischen Kirche sind nicht voneinander zu trennen. Das Reform-Memorandum »Kirche 2011« provoziert zu einer notwendigen Diskussion

Die Kirche soll den Geist des Evangeliums darstellen. Und genau dies ist das Zentrum des gegenwärtigen Konflikts. Was ist der Geist der Frohbotschaft?« So schrieben kürzlich die Theologieprofessoren Hans Kessler, Eberhard Schockenhoff und Peter Walter in der Frankfurter Rundschau (FR). Sie sind Mitunterzeichner des Reform-Memorandums »Kirche 2011: Ein notwendiger Aufbruch«, das inzwischen über 250 Theologieprofessorinnen und -professoren und rund 30 000 Katholikinnen und Katholiken unterstützen. Der Beitrag der drei Theologen war eine Antwort auf Kurienkardinal Walter Kasper, der die Krise seiner Kirche als zweitrangig erachtet und den Autoren des Memorandums vorwirft, nichts theologisch Substanzielles zur Krise des Gottesglaubens zu sagen. Die »Gotteskrise« aber sei die eigentliche Herausforderung (siehe Seite III).

Das ist einerseits richtig. Der Glaube in Europa verdunstet in einer von Konsum, Zerstreuung und überzogener Selbstverwirklichung geprägten Gesellschaft. Gott ist aber auch deswegen in der Krise, weil die kritisch-skeptischen Fragen gegenüber dem Gottesglauben dringlicher geworden, alte Plausibilitäten geschwunden sind, religiöse Erfahrungsorte fehlen und eine überzeugende, zeitgemäße Glaubenssprache noch nicht so recht gefunden scheint. Verheiratete Priester, Priesterinnen und mehr Mitsprachemöglichkeiten der Gläubigen werden zum Beispiel die zunehmende Abkehr vieler Christen von der Vorstellung eines persönlichen Gottes, der in die Geschicke der Welt eingreift, nicht aufhalten können. Viele Menschen glauben an Gott, aber anders und bewusst außerhalb der katholischen Kirche – wie übrigens auch der evangelischen, die in Sachen Gotteskrise ja vor denselben Fragen steht.

Die Behauptung, dass die Gotteskrise und nicht die Kirchenkrise das eigentliche Problem sei, ist gleichzeitig falsch. Denn die Gotteskrise ist von der katholischen Kirche mit verursacht worden. Diese These wird in dem vorliegenden Dossier von einer Reihe von Theologinnen und Theologen argumentativ entfaltet, die das Memorandum mittragen.

Die Gotteskrise ist nicht nur, aber auch hausgemacht: Was ist das für ein Gott, der durch seinen »Sohn« verfügen lässt, dass er bitte nicht von Frauen am Altar repräsentiert werden möchte? Was ist das für ein Gott, der eine autoritär-hierarchische Kirche gründen lässt, in der »vom Zutrauen in die Freiheit der Einzelnen nur so

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