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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2011
Kein Gott, nirgends?
Stephen Hawkings Theo-Physik
Der Inhalt:

»Das Schweigen der Waffen«

von Wolfgang Kessler, Bettina Röder vom 29.04.2011
Was kann ein Aufruf für den gerechten Frieden in einer Welt wachsender Gewalt bewirken? Fragen an den ehemaligen Generalsekretär des Weltkirchenrates, Konrad Raiser

Herr Raiser, der Zentralausschuss des Weltrates der Kirchen hat einen Aufruf zum gerechten Frieden verabschiedet. Warum war das notwendig, das Konzept ist doch nicht mehr so ganz neu?

Konrad Raiser: Der Aufruf soll das immer noch relativ neue Konzept des gerechten Friedens in der praktischen Arbeit der Kirchen auf der ganzen Welt stärker verankern. Deshalb richtet sich der Aufruf nicht an Experten, auch nicht in erster Linie an die kirchenleitende Ebene. Er richtet sich an die weltweite christliche Gemeinschaft, wie es in der Präambel heißt. Auf diese Weise soll er der ökumenischen Bewegung und ihrem Engagement für Frieden und Gerechtigkeit neue Impulse geben.

Über das Konzept des gerechten Frieden herrscht in beiden großen Kirchen in Deutschland seit Langem Konsens. In den orthodoxen Kirchen und in den Kirchen des Südens herrscht doch wohl eher Skepsis.

Raiser: Die Delegierten der orthodoxen Kirchen haben unserem Aufruf zugestimmt. Obwohl ja die russisch-orthodoxe Kirche und auch andere immer noch die Lehre vom gerechten Krieg vertreten. Auch die Kirchen des globalen Südens haben zugestimmt, obwohl für sie bislang der Einsatz für Gerechtigkeit eindeutig im Vordergrund stand und die klassische Friedensfrage eine Randfrage war.

Kommt deren Zustimmung da nicht etwas überraschend?

Raiser: Sie hat mich gefreut.

Besteht nicht die Gefahr, dass die Delegierten eigentlich kritischer Kirchen dem Aufruf zustimmen und dann nichts mehr passiert?

Raiser: Nun, wir verstehen den Aufruf als eine Einladung zum Gespräch. Das zeigt, dass wir uns im Klaren darüber sind, dass die Diskussion in den Kirchen nicht zuletzt im globalen Süden noch nicht abgeschlossen ist. Der Aufruf geht davon aus, dass wir den neuen Weg gemeinsam mit denen gehen wollen, die von zum Teil sehr anderen Voraussetzungen herkommen.

Worin unterscheidet sich denn die Vision des gerechten Friedens von der Theorie des gerechten Krieges?

Raiser: Die Vision des gerechten Friedens sagt aus, dass Frieden und Gerechtigkeit in der biblischen Tradition unlösbar miteinander verbunden sind. Der gerechte Krieg hat mit diesem Verständnis von Frieden wenig zu tun. Frieden wird da entsche

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