Leserbrief
Theologie und Physik
Den verbreiteten Eindruck, das wissenschaftlich gestützte Weltbild mache Gott überflüssig, enthüllt das Interview mit Professor Heino Falcke als eng und eindimensional. Er ermuntert dazu, unsere Vorstellung vom Schöpfer und Erlöser differenzierter, tiefgründiger zu fassen. Seine Erläuterungen könnten uns zudem erinnern, dass die Bibel äußerst zurückhaltend und diskret von Gotteserfahrung spricht. Wie früher Heisenberg, betont auch Falcke, dass moderne Physik und Kosmologie das persönliche oder gemeinschaftliche Gebet zu Gott nicht ersetzen, es eher anraten. Klaus P. Fischer, Heidelberg
Mit genialer Einfachheit erklärt Heino Falcke etwas, was wir »bis heute in ihrer Tiefe nicht wirklich verstanden haben«: die Quantenphysik. In einem »dynamischen Netzwerk« (Fritjof Capra) kann ein Phänomen nicht mehr (nur) aus sich selbst heraus erklärt werden, sondern aus seinen Beziehungen mit anderen. Das sollte dann auch für die Rede von Gott gelten, zumal in der Erkenntnis von stetiger Veränderung, von Nicht-Vorhersehbarkeit, von Zufall. Statt »entweder-oder« gilt »sowohl-als auch«. Statt kausal oder final gilt Wahrscheinlichkeit. Falcke spricht zwar auch von einem »unverfügbaren Geheimnis des Lebens«, fällt aber dann wieder zurück in das altbekannte Gottesbild. Anders über Gott zu reden, gerade auch im Einklang mit Naturwissenschaften, wäre ein Gewinn für die Theologie. Manfred Petri, Krefeld




