Leserbrief
Jesus im Kontext
Christian Schramm ignoriert hier eine wichtige Voraussetzung jeglichen Versuchs, biblische Texte auszulegen, nämlich erst einmal nach ihrem Kontext zu fragen, hier, wem diese Worte eigentlich gelten. Der Jude Jesus spricht hier als Angehöriger des Gottesvolks, das heißt, eines Volkes, das bereits »beim Vater« ist. Seine Angehörigen müssen also nicht erst zum Vater kommen. Nein, Jesu Worte gelten denen, die noch nicht beim Vater sind, also den Nichtjuden. Und das sagt er nun in der Tat »radikal und exklusiv« mit den Worten »außer durch mich«. Wenn man sich um das Verständnis der überlieferten Worte Jesu bemüht, sollte man sich schon, soweit uns das heute noch möglich ist, auf die zeitliche Ebene des Juden Jesus zurückbemühen. Claus Kloppenburg, Stuhr
Mein Christsein definiere ich daraus, dass ich mich ähnlich wie Jesus zum Schöpfergott dieses Universums verhalte: vertrauensvoll und an das Gute glaubend wie ein Kind. Diese Gottesvorstellung Jesu war, so ist meine Annahme, in den damaligen religiösen Vorstellungen revolutionär und schlicht nicht vorhanden, daher exklusiv. Damals und – wie mir scheint, auch wieder zunehmend – heute sehe ich sich einengende Gottesvorstellungen, die Menschen ausgrenzen, verurteilen, abwerten, die Gräben zwischen Menschen ziehen. Da scheint mir der wie oben beschriebene Exklusivitätsanspruch Jesu, seine Friedens- und Vergebungsbereitschaft, seine umfassende Liebe, die bei den Schwächsten, den Ausgegrenzten, den Minderheiten beginnt, nahezu geboten. Dieter Sauter, Kirchberg an der Murr




