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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2019
Sie herrschen mit Gott
Wie es zu sexualisierter und spiritueller Gewalt in der Kirche kommt
Der Inhalt:

Gesegnete Liebe

von Viola Rüdele vom 22.02.2019
Am Valentinstag treffen sich Paare nicht nur zum Candle-Light-Dinner. Einige machen sich auf den Weg in die Kirche. Ein Gottesdienst in Oberursel

Mehr als 28 Millionen Rosen landen im Februar am Frankfurter Flughafen, ganz in der Nähe meines Wohnorts. Und das nur wegen des Valentinstags. Dagegen wirkt der schlichte Einladungsflyer zur Segensfeier für Liebende in der katholischen St.-Ursula-Kirche in Oberursel wohltuend nüchtern. Unter einem großen blassblauen Baum sitzen zwei Menschen, die sich umarmen. Valentinstag in der Kirche? Bei Liebe und Kirche denke ich erst einmal an den Gott der Liebe, der für mehr als nur zwei Menschen da ist. Und kann man in einer Kirche die Liebe feiern, die Geschiedenen oder Homosexuellen so oft den Segen über ihre Liebe verwehrt? In der Kirche brennen überall Kerzen. Einige Ecken der Kirche werden indirekt mit rotem Licht beleuchtet. Kurz überlege ich, ob diese Art der Beleuchtung nicht falsche Erwartungen weckt. Auf den Sitzbänken liegen rosa Papierherzen. Ein älteres Paar betritt die Kirche. Noch bevor sie sich einen Platz suchen, ruft der Mann: »Wir sind verliebt.« – »Das ist wunderbar«, ruft eine Frau aus dem Kirchraum zurück. Im Altarraum stehen zwei junge Sängerinnen, ganz ohne Mikro, sanft begleitet von einem Keyboard und einer Cajon.

Eigentlich hatte die katholische Kirche diesen Feiertag schon 1970 aus ihrem Kalender gestrichen. Zu wenig ist der heilige Valentin bekannt. Legenden gibt es dagegen allerhand. Und die kommen bei vielen so gut an, dass auch Diakon Mathias Wolf in der Kirche seine Version der Geschichte erzählt. Valentin habe im dritten Jahrhundert Paare getraut, obwohl es verboten war. Und an diese Paare Blumen verteilt.

Auch wenn die katholische Kirche keine Geschiedenen oder Homosexuelle trauen möchte, sind zum Gottesdienst am Valentinstag bewusst alle Liebenden eingeladen. Wolf sagt: »Wir wollten durch die Form niemanden ausschließen.« Ich frage mich, ob das reicht, damit sich Geschiedene oder Homosexuelle eingeladen fühlen. Das Publikum unterscheidet sich kaum von dem eines gewöhnlichen Sonntagsgottesdienstes. Etwa zwanzig Paare sind gekommen. Die meisten sind über fünfzig. Viele kennen sich, winken sich zu, begrüßen sich. Und doch ist es für viele ein besonderer Termin. Im Alltag finden sie oft nicht die Zeit, gemeinsam einen Gottesdienst zu besuchen. Die vorderen Reihen sind bis auf den letzten Platz gefüllt.

Zwei Frauen lesen abwechselnd Paulus’ berühmte Worte zur Liebe vor. Und sie enden plötzlich mit den Worten: »Die Liebe hört niemals auf.« Die

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