Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2019
Sie herrschen mit Gott
Wie es zu sexualisierter und spiritueller Gewalt in der Kirche kommt
Der Inhalt:

Streitfragenzur Zukunft: Dürfen wir Tierversuche machen?

von Konrad Lehmann vom 22.02.2019
Ja, sie sind ethisch vertretbar! Tierversuche ermöglichen es, uns und die Welt immer umfassender zu verstehen

Selbstverständlich brauchen wir Tierversuche. Ehe ich das begründe, möchte ich zunächst zweierlei klarstellen.

Erstens sind Tierversuche keine Tierquälerei. Wir Forscher sind keine Unmenschen und uns unserer Verantwortung für die Tiere, mit denen wir arbeiten, sehr wohl bewusst. Überdies ist es in unserem fachlichen Interesse, dass es den Versuchstieren gut geht, denn Daten von kranken oder leidenden Tieren wären möglicherweise nicht reproduzierbar. Es gibt ein dicht geknüpftes Netz aus Verordnungen, Gesetzen, Prüfungen und Überwachungen, das sicherstellt, dass so wenige Versuchstiere verwendet werden wie irgend möglich und sie so wenig wie möglich leiden. Für jeden potenziell schmerzhaften Eingriff werden die Tiere betäubt. Anschließend erhalten sie regelmäßig Schmerzmittel und Wundpflege; mehrmals tägliche Kontrolle ist ohnehin Pflicht. Ebenso vorgeschrieben sind tiergerechte Haltungsbedingungen.

Manche Versuche sind ohne Leiden für die Tiere allerdings nicht denkbar. Um Krankheiten und deren Heilung zu untersuchen, muss man Versuchstiere zunächst krank machen. Damit Leichtfertigkeit und Gewohnheit in solchen Fällen nicht über die Empathie siegen, zwingen die strengen Nachfragen der Genehmigungsbehörden den Forscher dazu, solche Versuche besonders sorgfältig zu rechtfertigen – auch und gerade vor sich selbst. Nur er kann letztlich beurteilen, ob der erwartete Erkenntnisgewinn in einem sinnvollen Verhältnis zum verursachten Leiden steht. Ich würde mir nicht anmaßen, es besser zu wissen.

Die erschreckenden Bilder von gequälten Kaninchen, Katzen oder Affen, welche die kritische Öffentlichkeit vor Augen hat, wenn es um Tierversuche geht, sind jedenfalls nicht repräsentativ – achtzig Prozent aller Versuchstiere sind Mäuse und Ratten, weitere zehn Prozent Fische, während Affen, Katzen und Hunde zusammen kein halbes Prozent ausmachen –, und sie sind missverstanden oder aus dem Zusammenhang gerissen. Unseren Tieren geht es besser als vermutlich den meisten menschlichen Patienten auf der Welt.

Zweitens findet Tierquälerei andernorts in hundertfach größerem Maßstab statt, nämlich in der industriellen Fleischerzeugung. Das ist natürlich keine logische Rechtfertigung für Tierversuche. Aber es rückt die Dinge ins Verhältnis und warnt vor Doppelmoral. Ich lasse mir meine Tierversuche nicht von jemandem vorhalten, der dabei in eine Bratwurst beißt. (Üb

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen