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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2018
Gott und die Frauen
Das Erbe der Feministischen Theologie
Der Inhalt:

Zwischen zwei Welten

Roman. »Mein erstes Wort war: Papa. Mein zweites: Mama. Mein drittes: Hochzeit.« Sie ist fast dreißig, lebt seit einigen Jahren in Paris, arbeitet in einer Redaktion – und sie kommt aus Algerien. Ihr großes Problem: Sie ist noch unverheiratet. Den Ringfinger anderer Leute hat sie stets im Blick: Ist dieser Mann noch zu haben? Ist diese Frau in der gleichen Situation wie ich? Verstärkt wird der Druck vor allem durch ihre Mutter in Algerien, für die die Ehe ihrer Töchter das Wichtigste zu sein scheint und die gerne und häufig anruft: »Ich habe eine große Neuigkeit für dich. Ich bin ja so froh: Deine kleine Schwester wird heiraten! Hast du gehört? Jetzt bist nur noch du übrig, die wir verheiraten müssen!« Die Feierlichkeiten schwänzen geht natürlich nicht, die Ich-Erzählerin muss wohl in die Heimat fliegen und Gerede über sich ergehen lassen, weil sie immer noch keinen Mann hat.

Selbstironie macht es ihr manchmal etwas leichter, all das auszuhalten: das Heimweh, das Stigma des Unverheiratetseins und die Angst davor, irgendwann einsam zu sterben. Dieser feine und scharfsinnige Humor der Erzählerin ist es, der den Roman zu einem unterhaltsamen Einblick in die Welt der Um-die-Dreißigjährigen macht: Dort werden Hochzeiten geplant, Familien gegründet und Lebensentwürfe infrage gestellt. Träume platzen und neue Pläne werden geschmiedet. Dabei ist auch die Einsamkeit derer im Blick, die bei diesem Spiel Außenseiter bleiben. Autorin Kaouther Adimi – selbst aus Algerien – lässt die Ich-Erzählerin ihr Umfeld sowohl in Paris als auch in Algier präzise beobachten. Sie beschreibt eine Kindheit in einem Land, in dem Bürgerkrieg und Terroranschläge Alltag waren und nach dem sie sich doch auch sehnt. Kaouther Ad