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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2018
Gott und die Frauen
Das Erbe der Feministischen Theologie
Der Inhalt:

Der Letzte Brief (Vorsicht Satire!): Sehr geehrte Staatschefs in Afrika,

ich wende mich an Sie alle in meiner Funktion als Müllberater der Europäischen Union. Sie haben sicher davon gehört, dass China unser großzügiges Angebot für die weitere Lagerung unseres Giftmülls ausgeschlagen hat. Aus diesem Grund will die Europäische Union dieses Angebot nun den Nationen Afrikas unterbreiten.

Wie sieht unser Geschäftsmodell aus? Nun, Europa benötigt mehrere große Endlager für seinen hochgiftigen Müll. Zusätzlich wünschen wir uns größere Landflächen für die dauerhafte Lagerung von Plastikflaschen, da Europa ja nun wirklich nicht alles recyceln kann. Der afrikanische Kontinent scheint uns dafür sehr geeignet, weil manche Regionen ohnehin schon eine gewisse Ähnlichkeit mit großen Müllhalden aufweisen. Zudem gibt es riesige unbewohnte Flächen, in denen eine weitere Verwüstung keine Rolle spielt. Und manche Länder wie Ghana haben ja bereits wertvolle Erfahrungen mit europäischem Elektroschott gesammelt.

Da Brüssel das Geschäft als Win-win-Situation organisieren möchte, bieten wir lukrative Gegenleistungen. Jeder afrikanische Herrscher, der sein Land als Giftmülldeponie zur Verfügung stellt, erhält das Recht, tausend ungeliebte Mitbürger als Bootsflüchtlinge nach Europa zu schicken. Nach seinem Eintreffen in Europa erhält jeder Flüchtling ein neues Handy mit eingebauten wertvollen Rohstoffen aus Afrika. Und nicht nur dies. Die Europäische Union garantiert weiterhin die zollfreie Einfuhr von Rohstoffen für die Elektronik wie Coltan oder seltene Erden, ohne nach den Produktionsbedingungen zu fragen. Sie können also weiter Kinder in den Bergwerken beschäftigen und die Umwelt zerstören, wenn die EU nur billige Rohstoffe bekommt.

Natürlich steht Brüssel bei der Gestaltung der Giftmülldeponien mit Rat und Tat zur Seite. Schließlich hat Europa Erfahrung damit, Braunkohlereviere in Naturschutzgebiete zu verwandeln. Warum sollen also auf den Giftmüllendlagern nicht neue Hütten für die Armen entstehen, mit Sandplätzen, auf denen die Kinder beim Graben immer neue Schätze finden, und mit Seen zum Baden und Waschen.

Sie sehen, unser Angebot beruht auf dem Prinzip »Keine Leistung ohne Gegenleistung«. Über eine schnelle Antwort würden wir uns freuen.

Mit freundlichen Grüßen

James Waster, Müll Consulti

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