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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2018
Gott und die Frauen
Das Erbe der Feministischen Theologie
Der Inhalt:

Religiös und weltoffen

von Mandy Ganske-Zapf, Dennis Grabowsky vom 23.02.2018
In Kasan, der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Tatarstan, leben die Menschen einen liberalen Islam. Kulturen und Religionen gehen erstaunlich friedlich miteinander um. Zumindest bis heute

Türkise Kuppeln blitzen zwischen vier hoch aufragenden Minaretten von einer Anhöhe im Zentrum der Stadt. Unterhalb, auf einem geräumten Parkplatz drängeln sich die Leute vor einer Bühne. Sie wollen den ehemaligen Fußballstar Ronaldinho sehen. Als der Brasilianer auf die Bretter tritt, feiern sie ihn. Er soll ein Fußballwochenende eröffnen, einen kleinen Park mit Stationen zum Spielen. Es ist kühl. Der Bürgermeister souffliert dem Gast auf Russisch: »Der Park ist offen!« Die Menge applaudiert. Das hätten sie sich nicht träumen lassen, werden zwei Frauen später fürs lokale Fernsehen in die Kamera sagen. Vor ihnen stand Ronaldinho, einst Weltmeister und Champions-League-Sieger, hier in Kasan, an der Wolga, rund 800 Kilometer östlich von Moskau. Nun wartet Kasan auf den Hauptakt: Die Hauptstadt der Teilrepublik Tatarstan ist einer von elf Austragungsorten der Fußball-Weltmeisterschaft von Mitte Juni bis Mitte Juli.

Kasan, das ist auch das islamische Zentrum Russlands, in dem Religionen und Kulturen friedlich miteinander leben. Rund 1,2 Millionen Einwohner hat die Stadt, darunter sind etliche Ethnien, seien es Tschuwaschen, Baschkiren oder Ukrainer. Die Mehrheit stellen Tataren und Russen zu etwa gleichen Anteilen. So halten sich auch Islam und Orthodoxie die Waage. Die Kul-Scharif-Moschee, die mit ihren türkisen Kuppeln und den 57 Meter hohen Minaretten weithin sichtbar ist, steht nur wenige Schritte von der Mariä-Verkündigungs-Kathedrale entfernt und damit ebenbürtig neben dem bedeutendsten orthodoxen Gotteshaus der Stadt. Wie ein Konzentrat zeigt sich Russland hier auf engem Raum als das, was im Rest der Welt manchmal vergessen wird: dass das Land ein multikultureller, multikonfessioneller Staat ist.

Pflicht zum Kopftuch: Nein

Es sind Familiengeschichten wie die von Albina Nafigowa, die das Leben in Kasan kennzeichnen. Die zierliche Frau, studierte Pädagogin, steht in einem flachen Unterrichtsraum einer Vorschule. Der zentrale Markt liegt nebenan. Händler bieten unter anderem das Nationalgebäck Tschak-Tschak feil: schmale, mit Honig versetzte Teigstängel. Nafigowa hat einen tatarischen Vater und eine russische Mutter. »Was mich angeht: Ganz genau kann ich mich nicht festlegen. Ich glaube an einen Gott, aber welchen Namen trägt er?« Die Tataren pr

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