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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2018
Gott und die Frauen
Das Erbe der Feministischen Theologie
Der Inhalt:

Kahlschlag an Schulen

von Thomas Bastar vom 23.02.2018
Das Erzbistum Hamburg will acht katholische Schulen schließen – und stößt auf heftigen Widerstand

Vor dem Hamburger Mariendom brennen, zu einem Kreis gestellt, 21 Grablichter, 13 weiße und 8 rote. Denn 21 katholische Schulen gibt es in Hamburg – noch. Das Erzbistum hat beschlossen, acht davon zu schließen. Jeden Montag versammeln sich empörte Eltern, Schüler und Lehrer vor der Bischofskirche zu einer 21-Minuten-Andacht. »Unser Vertrauen ist zutiefst enttäuscht«, sagt Henrik Lesaar, Sprecher der Gesamtelternvertretung der katholischen Schulen. Das Erzbistums hätte zugesichert, mit den Eltern zuerst Möglichkeiten zu prüfen, Schulen zu erhalten, bevor sie geschlossen werden. Das sei nicht eingehalten worden. Die Mitteilung kam so überraschend, dass Anmeldungen für das kommende Schuljahr zurückgenommen und geplante Tage der offenen Tür kurzfristig abgesagt werden mussten. »Wir sind erschüttert. Unser Vertrauen ist gebrochen«, schrieben auch die Schulleiter der 21 Schulen gemeinsam an den Erzbischof. Hamburgs Katholiken bekunden ihren Unmut: mit wöchentlichen Montagsandachten, einer »Wallfahrt« einer betroffenen Schule zum Dom, einem Lichtergottesdienst, einer Demonstration auf dem Rathausmarkt und sogar einem Brief an den Papst.

Das katholische Schulwesen in Hamburg umfasst siebzehn Grundschulen, sieben Stadtteilschulen (zum Teil am gleichen Standort) und drei Gymnasien. Rund vierzig Prozent aller katholischen Schulkinder der Hansestadt besuchen katholische Schulen. Auch darüber hinaus sind die katholischen Schulen beliebt: Von den gut 9000 Schülerinnen und Schülern ist ein Drittel nicht katholisch.

Das Problem sind große Fehlbeträge aufgrund von jahrelangem Missmanagement: Für die Pensionsverpflichtungen der verbeamteten Lehrkräfte etwa gab es erst keine, später viel zu geringe Rückstellungen. Investitionen in die Sanierung oder den nötigen Umbau von Schulen blieben oft aus. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young hat dem Erzbistum eine Überschuldung von 79 Millionen Euro attestiert – mit krass steigender Tendenz. Bis 2021 soll sie auf 353 Millionen Euro anwachsen. Dabei müssten eigentlich mehr als 100 Millionen Euro in die Schulen investiert werden. Die Verantwortlichen im Erzbistum haben daraufhin die Reißleine gezogen und verkündet, dass fünf Schulen schon im kommenden Schuljahr keine neuen Schülerinnen und Schüler mehr aufnehmen dürfen und auslaufen sollen. Bei drei weiteren Schulen kommt der Aufnahmestopp 2019, wenn sie nicht durch die Betei

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