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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2017
Wer ist Herr im Hirn?
Der Streit um den freien Willen
Der Inhalt:

Homosexualität im Islam

von Ulrich von Schwerin vom 24.02.2017
Der Islam gilt als homophob. Dabei kennt der Koran kein Verbot der Homosexualität

Taliban, die in Afghanistan Schwule steinigen, das Regime im Iran, das Jugendliche unter dem Vorwurf sexueller Kontakte mit Männern aufknüpft, die Dschihadisten des »Islamischen Staats«, die in ihrem Kalifat der Homosexualität verdächtige Männer von Dächern stoßen, aber auch türkische Jugendliche, die in Kreuzberg schwule Männer auf der Straße angreifen – sie alle gelten als Beweis, dass der Islam inhärent schwulenfeindlich ist.

So berechtigt die Diskussion über Islam und Homosexualität ist, so ist doch dieser vielfach gezogene Schluss zu hinterfragen. Denn ein Blick auf die theologischen Debatten, die historische Praxis sowie die Realität muslimischer Gesellschaften zeigt, dass das Verhältnis der Muslime zu homoerotischen Beziehungen vielschichtig und höchst widersprüchlich ist.

Historisch gesehen kannten die muslimischen Gesellschaften bis ins 20. Jahrhundert das Konzept der Homosexualität als menschlicher Wesensart gar nicht, schreibt der Soziologe Georg Klauda in seinem Buch »Die Vertreibung aus dem Serail«. Die Unterteilung der Menschen nach ihrer sexuellen Orientierung sowie die Idee des Homosexuellen als eigener Spezies, der sich vom Rest der Gesellschaft unterscheide, entwickelte sich erst in der Moderne – und zwar unter dem Einfluss des Westens.

Das soll nicht bedeuten, dass es zuvor in muslimischen Gesellschaften keine sexuellen Beziehungen zwischen Männern gab. »Gib mir einen Becher Ablenkung vom Ruf des Muezzin / Gib mir Wein, ihn öffentlich zu trinken / Und sodomitisier und fick mich jetzt«, schrieb der berühmte arabische Dichter Abu Nuwas (756-814). Auch die Gedichte von Hafez, Rumi und anderen sind voll Schwärmerei über schöne Jünglinge und oft kaum verschleierten sexuellen Anspielungen. Bis ins frühe 20. Jahrhundert priesen schwule Künstler und Schriftsteller aus dem homophoben Europa Länder wie Marokko, Tunesien und Ägypten für die dort herrschende Toleranz, während heterosexuelle Reisende aus dem Westen voller Abscheu die Muslime als Päderasten und Perverse schmähten.

Erst der Einfluss der europäischen Kultur und der erstarkende Islamismus als Gegenreaktion darauf führten im 19. und 20. Jahrhundert zu einem Umdenken in den muslimischen Gesellschaften. Waren zuvor homoerotische Beziehungen weithin von Staat und Klerus toleriert, solange sie nicht die soziale Ordnung infrage stellten, verbreitete sich nun die Vorstellung, d

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