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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2016
Martin Luther: Der zweifelhafte Freiheitsheld
Der Inhalt:

Der zweifelhafte Freiheitsheld

Martin Luther wird zum Reformationsjubiläum 2017 als Vorkämpfer für die Freiheit gefeiert. Ein Etikettenschwindel?

Freedom sells: Zum Reformationsjubiläum wird Martin Luther mal wieder als Wegbereiter der modernen Freiheit inszeniert. Luthers Wirken stieß angeblich eine »umfangreiche gesellschaftspolitische Entwicklung« an. So kann man es auf der Homepage zum Reformationsjubiläum Luther2017.de nachlesen: »Ausgehend von Luthers Berufung auf das eigene Gewissen entdeckten die Menschen zunehmend ihre eigene Persönlichkeit.« Die Menschen seien mündiger geworden gegenüber Kirche und Staat. Die uneingeschränkte Macht dieser Autoritäten erodierte: »Aus der Freiheit jedes Einzelnen entstand die Gewissensfreiheit, die bis heute unser Miteinander in Staat, Kirche und Gesellschaft prägt.«

Der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, hat das Thema Freiheit zu seinem Lebensthema gemacht – und es auch der Kirche verordnet: »Kirche der Freiheit« hieß die von ihm angestoßene Reformschrift im Jahr 2009. »Freiheit« sollte nicht nur Zukunftsprogramm sein, sondern auch Beschreibung einer wirkmächtigen Herkunft des Protestantismus: »Wie eine Druckwelle breitet sich die wieder entdeckte ›Freiheit eines Christenmenschen‹ in Europa aus«, so Huber beim Zukunftskongress der EKD im Jahr 2009. Der in Gottes Barmherzigkeit gegründete freie Blick des Menschen auf Gott und der aufrechte Gang im Glauben machten aus den Kirchen der Reformation »Kirchen der Freiheit«: »Aus diesem Impuls entsteht das Beharren auf einer Gewissensfreiheit, die gegenüber den Ansprüchen der Mächtigen eine unantastbare Instanz der Verantwortung vor Gott und der aus ihr folgenden Selbstbestimmung bildet.«

Von Luther zur Gewissensfreiheit und