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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2013
Die Entscheidung
Nach dem Rücktritt des Papstes: Was sich in der katholischen Kirche ändern muss
Der Inhalt:

Unter dem Diktat des Geldes

von Norbert Copray vom 22.02.2013
Fragwürdige Entwicklungen im deutschen Gesundheitswesen

Werner Bartens
Heillose Zustände
Warum die Medizin die Menschen krank und das Land arm macht. Droemer. 224 Seiten. 18 €

Das deutsche Gesundheitswesen gilt als sehr korruptionsanfällig. Der Skandal um den Organhandel hat dies jüngst wieder vor Augen geführt. Die Verantwortlichkeiten verteilen sich auf ein Bundesministerium, 16 Ländersozialministerien, pro Bundesland mindestens eine öffentlich-rechtliche Körperschaft von Ärzte- und Apothekerkammern, auf kassen(zahn)ärztliche Vereinigungen und deren Spitzenverbände sowie mehr als 250 gesetzliche Krankenkassen. Dazu kommen unzählige Fachverbände und Lobbygruppen jeglicher Art. So beschreibt Transparency International die Situation in Deutschland.

Herausgekommen seien »heillose Zustände«, wie Werner Bartens, Wissenschaftsredakteur der Süddeutschen Zeitung, Arzt und inzwischen zweifach ausgezeichnet als »Wissenschaftsjournalist des Jahres«, sein aktuelles Buch nennt. Die Kaufleute, allen voran die FDP-Wirtschaftspolitiker Philipp Rösler und Daniel Bahr, hätten das Gesundheitssystem vollends ökonomisiert, was sich in jeder Klinik in der Vorherrschaft der Betriebswirte und Controller widerspiegele: »Da mit der Untersuchung und Behandlung Gesunder wie Kranker viel Geld zu verdienen ist, haben die Kaufleute die Medizin zu einer Industrie gemacht und die Krankenbehandlung ökonomisiert. Weder Patienten noch Ärzten ist das gut bekommen.«

Bartens nimmt zunächst die »Medizinindustrie« unter die Lupe und demonstriert an Beispielen »die Illusion vom medizinischen Fortschritt«. Aus dem Arzt werde ein Verkäufer, aus der Praxis ein Basar, aus dem Patienten ein Kunde oder Konsument, anstelle des Erfahrungswissens der Ärzte dominierten Leitlinien. Bartens: »Begriffe wie Markt und Marktwert haben in der Ökonomie ihren Platz, aber nicht im Krankenhaus.« Daher gelte: »Rettet die Medizin vor der Ökonomie!«

An Behandlungen, Medikamenten und Grenzwertbestimmungen verdeutlicht Bartens, wie der Medizinbetrieb läuft – oft nicht zugunsten der Menschen. Selbst Ärzte rieten zur Notbremse, weil sie vieles für überflüssig halten. Allerdings ist es für einen Laien schwierig, sich in der Flut der Meinungen und Gegenmeinungen klar zu orientieren. Das werde, so Bartens, auch durch staatliche Eingriffe verhindert. Die »Krankheits

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