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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2013
Die Entscheidung
Nach dem Rücktritt des Papstes: Was sich in der katholischen Kirche ändern muss
Der Inhalt:

Professore Pontifex

von Hartmut Meesmann vom 22.02.2013
Wichtige Stationen eines Pontifikats: Wie Benedikt XVI. agierte und
was ein neuer Papst daraus für die Zukunft lernen könnte

Im Laufe der Zeit sei die anfängliche Begeisterung über diesen Papst dann doch etwas abgeebbt, sagen die einen. Andere urteilen härter: Am Ende seien die Jahre dieses Pontifikats verlorene Jahre gewesen.

Die Kardinäle jedenfalls übertragen 2005 Joseph Ratzinger mit seiner Wahl zum Papst die Aufgabe, die römische Kirche vor allem lehrmäßig zu festigen. Der konservative Professor auf dem Papstthron kommt dieser Aufgabe auch nach, sie entspricht seinem Naturell. Und seiner Überzeugung, dass die katholische Wahrheit allen anderen Weltanschauungen überlegen ist und vernünftige Überlegungen dies zweifelsfrei erweisen können. Denn Glauben und Vernunft widersprechen sich nach katholischem Verständnis nicht. Welche Akzente nun setzt der frühere oberste Glaubenshüter in seiner knapp achtjährigen Amtszeit? Was hat daran überzeugt? Was nicht?

Entweltlichung

Benedikt XVI. wettert immer wieder gegen die »Diktatur des Relativismus« und einen ausufernden Individualismus. Er geißelt den Zeitgeist und beklagt moralische Verirrungen wie die »Homo-Ehe«, die seiner Ansicht nach zur Zerstörung von Ehe und Familie führe. Die moderne Welt ist ihm Verfall, kein Raum verantwortungsvoll ausgeübter Freiheit. Er fordert die Entweltlichung der Kirche. – Ein neuer Papst sollte diese Prämissen umdrehen und der modernen Welt offen begegnen, die Menschen zu individueller und gemeinschaftlicher Verantwortung ermutigen, Freiheit und Experimentierlust bejahen. Entweltlichung ja, wenn damit die grundsätzliche Freiheit des Glaubens gegenüber der Welt gemeint ist; Entweltlichung nein, wenn damit Absonderung, ständiges Misstrauen und Abwertung der Moderne gemeint sind. Denn der sogenannte Zeitgeist ist nicht selten mutiger, lebensnaher, barmherziger als die »Wahrheit« der römischen Kirche.

Deus caritas est

Benedikt XVI. entfaltet in seiner ersten Enzyklika »Deus caritas est« (Gott ist die Liebe) eine einladende Deutung des christlichen Gottesglaubens, die weithin gewürdigt wird. Das Schreiben ist eine Ermutigung zur Liebe als sozialer Aufgabe. Doch den Schritt von einem karitativen zu einem politischen Katholizismus, der entschieden für die Gerechtigkeit und die Menschenrechte eintritt und die strukturellen Bedingungen der Armut bekämpft, unternimmt Ratzinger nur sehr zögerlich bis gar nicht. Er vertritt im Kern einen unpolitischen G

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