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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2013
Die Entscheidung
Nach dem Rücktritt des Papstes: Was sich in der katholischen Kirche ändern muss
Der Inhalt:

»Kein Blatt vor dem Mund«

von Eva-Maria Lerch vom 22.02.2013
Kann man mit Slams und Predigt-Battles den Glauben zeitgemäßer vermitteln? Fragen an den Theologen Thomas Erne

? Herr Erne, Sie haben an der Uni Marburg einen »Predigt-Slam« organisiert und mit Ihren Studenten um die Wette gepredigt. Warum machen Sie das?

! Wir suchten schon lange nach einer Form, wie die künftigen Prediger sich einüben können, um die Aufmerksamkeit ihres Publikums zu erregen – anschaulich, frei und authentisch. Wo sie lernen, auf die Macht des Wortes zu vertrauen – und nicht auf die Macht der Institution. Marburg ist die Hochburg des »Poetry Slam«, und so sind wir auf die Idee gekommen, das Modell auch bei uns auszuprobieren. Den »Sermon Slam« machen wir jetzt schon zum vierten Mal – mit wachsendem Erfolg.

? Welcher Erfolg?

! Es kommen immer mehr Zuhörer, und sie bleiben da! Mehr als hundert junge Leute, die sich zweieinhalb Stunden religiöse Meditationen anhören. Das müssen Sie erst mal hinkriegen, dass die nicht schreiend den Raum verlassen.

? Wie machen die Prediger das?

! Ganz unterschiedlich. Sie rappen und reimen, führen verblüffende Sprachmotetten auf. Jeder der 14 Teilnehmer hatte drei Minuten, das Thema war jeweils ein Motto der vergangenen Kirchentage. Ich bin auch auf die Bühne gestiegen und hab mitgeslamt.

? In einer Berliner Kirche wurde kürzlich ein »Predigt-Battle« ausgetragen. Die Siegerin wurde per Applaus bestimmt. Sehen Sie das alles als Weg, um verlorene Kirchgänger zurückzulocken?

! Nö! (Erne lacht)Bei uns ist es ein Moment der Ausbildung, eine Experimentierphase. Der Slam dient der Entdeckung einer Vielfalt von Sprachmöglichkeiten und der eigenen Performance. Ich bin überzeugt, dass die Teilnehmer dann später auch anders predigen werden. Aber die Predigt selbst ist dann noch mal was anderes. So einen Predigt-Battle finde ich wenig überzeugend.

? Warum?

! Es kommt mir vor wie die Übertragung eines Formats, das nicht richtig passt. Eine Predigt hat nicht die Aufgabe, eine Konkurrenzsituation zu erzeugen. Dennoch wäre ich sehr für die Rückkehr der Disputation in die Kirche: So wie Martin Luther mit Johannes Eck g

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