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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2013
Die Entscheidung
Nach dem Rücktritt des Papstes: Was sich in der katholischen Kirche ändern muss
Der Inhalt:

Gewalt im Namen des Gesetzes

von Bettina Röder vom 22.02.2013
Der Protest gegen die Neonazis in Dresden am 13. Februar endete friedlich. Doch Polizei und Justiz gehen oft hart gegen friedliche Demonstranten vor, die gegen Rechtsradikale demonstrieren

Solange die sich hier alle gut benehmen, bleibt’s ruhig«, sagt der junge Polizist und klappt laut den Fond seines Dienstwagens zu. Damit meint er nicht nur die Nazis aus ganz Deutschland, die heute Abend hier aufmarschieren wollen, sondern auch die Demonstranten, die das verhindern. Polizeiautos, so weit das Auge reicht, stehen am frühen Nachmittag dieses 13. Februar vor der Dresdner Kreuzkirche. Sie wirken seltsam bedrohlich, ein Kontrast zu den Schneeflocken, die leise vom Himmel fallen, und der Leere ringsumher. Fünf Besucher sitzen etwas verloren im großen Kirchenschiff, die Straßen um die Kreuzkirche sind so gut wie menschenleer. Das soll sich nach gut vier Stunden ändern. Da haben sich mehr als 10 000 Menschen vor der Kreuzkirche versammelt, um anschließend eine Menschenkette rund um die Altstadt zu bilden. Auffällig viele junge Menschen sind gekommen.

»Mit Mut, Respekt und Toleranz«: Unter diesem Motto hat eine breite Bürgerinitiative, auch die Kirchen sind darunter, zu der Menschenkette aufgerufen. Sie wollen an den Krieg erinnern, aber auch ein Zeichen gegen die Nazis setzen, die hier seit Jahren am 13. Februar, dem Tag der Zerstörung der Elbestadt 1945, aufmarschieren. Neben der Menschenkette verhindern an diesem Abend gut 5000 vor allem junge Menschen, dass die 450 angekündigten Nazis das tun können. Sie stellen sich den Rechten schon bei der Ankunft am Hauptbahnhof in den Weg, blockieren die geplanten Aufmarschplätze.

»Ich habe nichts gegen die Menschenkette, aber ich finde, der Akt des zivilen Ungehorsams hier ist das deutlichere Zeichen gegen die Nazis«, sagt eine Dresdner Politikstudentin. Es ist inzwischen eiskalt, in den Straßen sind Wasserwerfer aufgefahren, Ketten von Polizeiautos stehen in der Dunkelheit, so weit das Auge reicht. Hier kommt keiner mehr durch, darum harren die jungen Menschen seit Stunden in der Kälte dort aus, wo die Nazis ihre Kundgebungen abhalten wollten.

Nur wenige Meter entfernt steht der Lautsprecherwagen der Jungen Gemeinde Jena. Musik ertönt, die jungen Menschen tanzen in der Kälte, das wärmt. Hinter dem Steuer sitzt Lothar König, der Studentenpfarrer, und informiert über den Lautsprecher, wo die Nazis sind. Er habe kalten Füße, sagt der 58-Jährige ironisch: Das liegt nicht nur an der Kälte und daran, dass er prinzipiell und bei jedem Wetter Sandalen ohne Strümpfe

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