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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2013
Die Entscheidung
Nach dem Rücktritt des Papstes: Was sich in der katholischen Kirche ändern muss
Der Inhalt:

Die Leere und das Du

von Sabine Klar vom 22.02.2013
»Warum ich mich nicht in allem auflösen möchte, sondern in der Liebe eins sein will«: Erfahrungen in der Zen-Meditation

Zazen(das stille Sitzen)fällt mir im Moment schwer, weil ich lieber beten würde, und das ist trotz aller Ähnlichkeiten doch etwas anderes. Zumindest stellt es sich in meinem Denken und Erleben als etwas anderes dar. Beim Zazen verschwindet das »Du«,das mir im Gebet so aktiv und intensiv erscheint.

Im Zazenentwickelt sich zuweilen eine große »Trockenheit« – ich sitze da, kämpfe mit Rückenschmerzen und immer wiederkehrenden Gedankenschleifen, bin sozusagen ganz auf mich gestellt und bringe nichts zustande. Dann schließe ich die Augen – und plötzlich ist »Es«da. Es zeigt sich ein Lächeln – in mir, um mich? Die Gedankenschleifen werden zu Satzfetzen, die ich ihm sage und auf die es Antwort zu geben scheint. Es wird warm und weich in mir.

Manchmal glaube ich, dass Zazen einfach einen Raum der Leere und Achtsamkeit schafft, in dem sich sehr Unterschiedliches ereignen kann, je nachdem, wie die Menschen, die es üben, veranlagt sind.

Letztlich komme ich immer wieder auf die Liebe zurück. Meine Liebe sucht ihr Du. Sie kann nicht in sich oder im Nichts ruhen, sondern will sich einem Du schenken und in ihm aufgehen. Wenn sie eins wird mit ihrem Du, verschwindet die dualistische Distanz, die durch die Unterscheidung zwischen Ich und Du entstanden ist.

Das Einssein in der Liebe ist für mich etwas anderes als die Idee einer immer schon gegebenen, nichtdualistischen Einheit, wie der Buddhismus sie lehrt. Ich möchte nicht meine Form verlieren und mich in allem auflösen. Ich möchte meine Form nur aus Liebe verlieren, wenn ich mich auf ein Du hin überschreite.

Ansonsten fühle ich die Verpflichtung, »geformt« zu bleiben, solange ich in dieser Welt lebe, in dieser postmodern zersplitterten und verwirrten Welt. Denn ohne Form bin ich hier nicht urteils- und handlungsfähig. Ich möchte handlungsfähig sein, um lieben zu können. Ich will »Form« sein, um berührt und umarmt werden zu können. Ich will »Form« bleiben, um andere »Formen« begreifen zu können …

Ich will mich gar nicht erleuchten oder erlösen. Ganz im Gegenteil, ich möchte mich weiterhin getrennt von allem erfahren, begrenzt, in vergänglicher Form, im Leben wie im Leiden gefangen – damit das Du kommt, um mich herauszuholen aus diesem Verhaftetsein und um sich mit mir zu vereinen.

Ich will eigentlich auch Gott nicht finden, ich m

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