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Kinotipp: »Das Flüstern der Wälder«
Warten im verwunschenen Wald

Magische Bilder entstehen, wenn Filmemacher Michel Munier mit Sohn und Enkel in den Hochvogesen Tiere beobachtet. Auf ein Tier wartet er vergebens.
von Birgit Roschy vom 11.02.2026
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Begegnung in der Dämmerung: Im Film »Das Flüstern der Wälder« gehen drei Generationen mit Kameras in den Wald. Ein Filmgedicht, das ehrfürchtig macht.(Foto: © Haut et Court via Filmstarts.de)
Begegnung in der Dämmerung: Im Film »Das Flüstern der Wälder« gehen drei Generationen mit Kameras in den Wald. Ein Filmgedicht, das ehrfürchtig macht.(Foto: © Haut et Court via Filmstarts.de)

Kino. Nebelschwaden heben sich wie ein Vorhang und erlauben den Blick in ein geheimes Reich: den Wald. In magisch aufgeladenen, immersiven Bildern wird in diesem französischen Naturdokumentarfilm eine Wildnis gefeiert, die nicht etwa in einem fernen exotischen Land liegt, sondern um die Ecke. Es sind die moosbedeckten Wälder der Hochvogesen mit Bäumen wie Kathedralen. Den fast 80-jährigen Michel Munier, ein Fotograf und Umweltschützer, haben sie von Kindheit an in ihren Bann gezogen. In der Rahmenhandlung durchwandert er das Gebirge in Begleitung seines Sohnes und des zwölfjährigen Enkels Simon. Der Sohn ist übrigens der preisgekrönte Filmemacher Vincent Munier (»Der Schneeleopard«).

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 3/2026 vom 13.02.2026, Seite 54
Trotzdem mit der Ruhe
Trotzdem mit der Ruhe
Warum Gelassenheit uns weiterbringt

Versteckt hinter Tannenzweigen und ausgerüstet mit Kameras, legt sich das Drei-Generationen-Trio am liebsten in der Abend- und Morgendämmerung auf die Lauer – eingemummelt in ihre Schlafsäcke.

Wenn es im Unterholz knackt, ein Dachs sich aus der Deckung traut, die Silhouette eines Hirschgeweihs an ihnen vorüberstreift, gar der »Panther des Waldes«, ein Luchs, vorbeischleicht, ist auch der Zuschauer verzaubert. Doch der rote Faden der Erzählung ist das Warten auf einen Auerhahn, Muniers »Kraftvogel«. Weil das Tier in den Vogesen nahezu ausgestorben ist, reisen die drei nach Norwegen und kommen dem mythischen Vogel – der beim Balztanz großen Lärm veranstaltet – erneut auf die Spur. Wie in einen Traum tritt man in diese verwunschene Waldwelt ein, begleitet von minimalistischem Chorgesang und den poetischen Kommentaren von Munier Senior. Schöner kann man die Schutzwürdigkeit des Ökosystems Wald nicht vorführen. Vor allem aber ist dieses Filmgedicht eine Einladung zum Luftschnappen, Innehalten und ehrfürchtigen Schweigen angesichts des Wunders der Schöpfung.

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