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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2020
Geht doch!
Der Synodale Weg der katholischen Kirche
Der Inhalt:

Die Sorgen des Ex

vom 14.02.2020
KOLUMNE Von Fabian Vogt:

Ich habe etwas gemacht, was man nicht machen sollte: Ich bin in dem Ort, in dem ich einige Jahre Pfarrer war, wohnen geblieben. Obwohl ich jetzt nicht mehr in der Gemeinde arbeite, sondern einen überregionalen Dienstauftrag habe. Das ist eigentlich ein absolutes »No-Go«. Zu gruselig sind die Geschichten von Expfarrern, die jeden Sonntag mit verkniffenem Gesicht in ihrer alten Kirche hocken und bei der Predigt demonstrativ den Kopf schütteln. Oder solchen, die regelmäßig im Gemeindebüro auftauchen, um dem jungen Nachfolger freundlich, aber bestimmt zu erklären, was er alles anders machen muss. Da bekommt das Wort »Altlasten« ganz neue Brisanz – ebenso wie der Begriff »Geißel Gottes«.

Ich selber wollte die Situation natürlich gesitteter gestalten, habe das Gemeindebüro seit meinem Abschied nicht mehr betreten und halte mich in der Gemeinde aus allem raus. Auch die gelegentlichen Anfragen – »Können Sie meine Tochter nicht doch trauen, Sie haben sie doch schon getauft?« – weise ich vehement von mir: »Das macht meine reizende Nachfolgerin gern.« Und ich hatte lange den Eindruck: Ich bekomme das ganz gut hin.

Bis letzte Woche. Denn da erhielt ich folgende herzzerreißende Mail: »Lieber Herr Pfarrer, meine Nachbarin ist 94 Jahre alt und sehr krank. Sie wünscht dringend einen Anruf von Ihnen. Bitte lassen Sie es oft klingeln, da sie nicht mehr gut hört.« Da saß ich nun. Eingeholt von meiner Vergangenheit.

Mit einem Mal hatte ich das Gefühl, dass ein Teufelchen und ein Engelchen mir ins Ohr flüsterten. »Die rufst du nicht an. Du bist ohnehin immer viel zu weich. Die will sich garantiert eine Beerdigung erschleichen«, sagte das Teufelchen. »Möglicherweise ist das sogar eine dieser reaktionären Seniorinnen, die nur von einem Mann bestattet werden will.« Aber das Engelchen fragte besorgt: »Und wenn sie nur ein persönliches Seelsorgegespräch wünscht?« »Auch dann bist du nicht mehr zuständig. Dann soll sie sich bitteschön an die neue Kollegin wenden. «

Weil ich am selben Abend Männerkreis hatte, bat ich auch die Freunde dort um Rat: »Wessen Auftrag ist das nun? Mein – oder nicht mein, das ist hier die Frage.« Michael, der meine junge Nachfolgerin sehr schätzt, sagte: »Du hältst dich da gefälligst raus und leitest die Anfrage an sie weiter.« Uwe hingegen, der meinen Weggang noch immer bedauert, war der Meinung: »Offensichtlich hat diese alte Frau

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