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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2019
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Der Inhalt:

Der vereinnahmte Aussteiger

Ein Gespräch mit dem evangelischen Kirchenhistoriker Volker Leppin über Mythos und Aktualität des Franz von Assisi

Publik-Forum: Herr Professor Leppin, es gibt etliche Biografien über Franz von Assisi. Was hat Sie als evangelischer Theologe und Kirchenhistoriker bewogen, sich ebenfalls mit seinem Leben auseinanderzusetzen?

Volker Leppin: Nachdem ich bis 2017 komplett mit Luther und der Reformationsgeschichte beschäftigt war, hatte ich das Bedürfnis, etwas ganz anderes zu machen. Die Gestalt des Franz von Assisi hat mich seit meiner Kindheit begleitet. Mir war als Sohn eines Pfarrers an der Elisabethkirche in Marburg die Verbindung über Elisabeth von Thüringen zu Franz von Assisi gewissermaßen vorgegeben. Das war die private Motivation. Der fachliche Grund war: Man glaubt, über Franz von Assisi unglaublich viel zu wissen. Doch die Quellenlage zeigt: Wir wissen eigentlich sehr wenig über ihn. Dieses Spannungsverhältnis auszuloten, hat mich gereizt.

Franz von Assisi gilt landläufig als ein von Gott geschickter Erneuerer, der einer verkommenen Kirche wieder auf die Beine hilft. Was ist dran an diesem Mythos?

Leppin: Ob er von Gott geschickt worden ist, kann ich nicht beurteilen (schmunzelt). Aber er hat seiner Zeit die Diskrepanz zwischen dem Anspruch des Christentums und dem tatsächlichen Leben als Christ deutlich vor Augen gestellt. Er hat dies festgemacht am Umgang mit Geld und an den frühkapitalistischen Lebensformen, die er in seinem Elternhaus kennengelernt hat. Auffallend ist, dass er sich mit Kirchenkritik sehr zurückgehalten hat. Die Kirche als Institution war für ihn sakrosankt. Für mich als evangelischen Kirchenhistoriker war es erstaunlich zu sehen, wie selbstverständlich er sich auf Papst Innozenz III. eingelassen hat