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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2018
Was ist der Mensch wert?
Der Preis des Lebens und die Würde des Menschen
Der Inhalt:

»Gärten lehren uns so vieles«

von Barbara Tambour vom 09.02.2018
Michaela Heidlas-May setzt sich für den Erhalt eines großen Grüngeländes mit Kleingärten mitten in Frankfurt ein

Was würde verloren gehen, wenn hier Häuser gebaut würden! Viele Kleingärten auf diesem grünen Gelände mitten in Frankfurt sind schon seit Generationen im Besitz von Familien. Manche sind verwildert und verwunschen. Ein Naturschatz für Pflanzen und Tiere! Und ein lebendiger Ort der Begegnungen: Wir haben russische, deutsch-italienische und türkische Gartennachbarn, mit denen wir uns regelmäßig austauschen. Als die Baupläne bekannt wurden, habe ich gemeinsam mit anderen die Bürgerinitiative Grüne Lunge am Günthersburgpark gegründet, um den Bau von Häusern in unserem Grün zu verhindern.

Es geht nicht nur um den Verlust eines kostbaren Lebensraums. Wenn hier gebaut wird, schneidet das die im Sommer immer heißer werdende Innenstadt von kühler, frischer Luft aus dem Norden ab. Die giftigen Stickoxide, verursacht durch eine angrenzende vierspurige Ausfallstraße, werden sich dann noch mehr ausbreiten.

Gärten lehren uns so vieles: Dinge um ihrer selbst willen zu tun. Und: wie wichtig Erfahrungen sind. Oder dass Effektivität nicht alles ist. Mein Sohn wollte unbedingt, dass wir Kartoffeln setzen. Die Arbeit stand in keinem Verhältnis zur Ernte. Doch es waren für ihn die besten Kartoffeln. Es waren seine. Um viele Menschen auf diesen grünen Schatz aufmerksam zu machen, bietet unsere Initiative von Frühjahr bis Herbst Sonntagsspaziergänge durch die »Grüne Lunge« an sowie Fledermausführungen und einen »Tag der offenen Gärten«. Da verwandeln sich dann unsere Gärten in ein öffentliches Café.

Ich bin Künstlerin und daher in der Bürgerinitiative für Kreatives zuständig. Um zu dokumentieren, welch einzigartigen Schatz diese Grünfläche bildet, veröffentliche ich regelmäßig Bilder auf Instagram. In verschiedenen Aktionen haben wir unseren Protest zum Ausdruck gebracht: Mit Gasmasken und Transparenten, wir haben die Gärten verhüllt, einen Sarg gebaut und mit Bildern von Füchsen, Vögeln und Eichhörnchen gefüllt – Tiere, die hier leben.

Durch das Engagement unserer Initiative haben wir erreicht, dass die Pläne für das Neubauviertel modifiziert wurden. Da Frankfurt noch mehr Grünflächen zu Baugebieten machen will, vernetzen wir uns jetzt mit anderen Initiativen und unterstützen das stadtweite Bürgerbegehren für den Erhalt von Grünflächen. Wir brauchen Grün in der Stadt – zur Erholung und als Gegenpol

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