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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2018
Was ist der Mensch wert?
Der Preis des Lebens und die Würde des Menschen
Der Inhalt:

»Es geht um zwei wichtige Personen«

von Barbara Tambour vom 09.02.2018
Ist es richtig, Werbung für Abtreibung zu verbieten? Ulla Beckers arbeitet seit 25 Jahren in der Schwangerenberatung. Sie weiß, unter welchem Druck viele Frauen stehen. Und sagt trotzdem: Ja

Publik-Forum: Die Gießener Ärztin Kristina Hämel wurde jetzt zu einer Geldstrafe verurteilt, weil sie auf ihrer Homepage über Schwangerschaftsabbrüche in ihrer Praxis informiert hat. Ist es richtig, Werbung für Abtreibung zu verbieten?

Ulla Beckers: Es war dem Gesetzgeber immer wichtig, das Lebensrecht des ungeborenen Lebens genauso zu betonen wie das Selbstbestimmungsrecht der Frau. Das Verbot von Werbung für den Schwangerschaftsabbruch ist ein Mittel, um das zu gewährleisten. Insofern ist das gut. Andererseits: Frauen, die sich über legale Möglichkeiten des Schwangerschaftsabbruchs informieren wollen, müssen dadurch immer den Umweg über eine Beratungsstelle gehen. Das ist eine Erschwernis für Frauen.

Etliche Bundesländer wollen das Werbeverbot kippen. Es widerspräche dem Recht auf Information. Teilen Sie diese Ansicht?

Beckers: Nein. Die Auflage eines Beratungsgespräches dient dem Schutz des ungeborenen Lebens – aber die Frau entscheidet. Die Beratung ist ergebnisoffen. Für mich heißt das: Wir sprechen darüber, was die ungeplante Schwangerschaft für die Frau bedeutet, welche Gefühle sie bei ihr auslöst und wie sie bisher im Leben mit Krisen zurechtgekommen ist. Ich stelle ihr alle Informationen zur Verfügung, die sie wünscht und benötigt, nenne auch Ärzte, die einen Schwangerschaftsabbruch machen. Anschließend kann ich gut akzeptieren, wenn sie sagt: »Ich habe jetzt alles gehört, habe auch noch drei Tage Bedenkzeit, und dann treffe ich eine Entscheidung, die für mich richtig ist.« Oder die sie zumindest zum jetzigen Zeitpunkt als richtig empfindet. Das Selbstbestimmungsrecht der Frau ist also durch das Werbeverbot nicht beeinflusst.

Manche Beraterinnen, etwa von »pro familia«, empfinden schon die Pflichtberatung als Einschränkung der Selbstbestimmung der Frau. Können Sie das nachvollziehen?

Beckers: In diesem Fall bin ich konservativ: Es geht um zwei wichtige Personen: ein ungeborenes Kind und eine schwangere Frau, die durch die ungeplante Schwangerschaft vielleicht in große Schwierigkeiten kommt. Wenn die Frau nur für sich selbst darüber nachdenkt – ohne Gespräch mit einer Beraterin –, ist es schwer für sie, beiden Leben eine Berechtigung zuzusprechen. Insofern ist die Einschränkung der persönlichen Freiheit vertretbar.

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