Zu viel Kuschel-Ökumene?
Vor lauter Ökumene im Jahr des Reformationsjubiläums verrate die evangelische Kirche die Errungenschaften der Reformation, befürchtet der Wiener Theologe Ulrich Körtner: »Statt einer Ökumene der Profile erleben wir eine Profillosigkeit, die zwischen einer plumpen Vereinnahmung Luthers für theologische Trivialitäten und einer politisch korrekten Distanzierung zum Beispiel von seinen judenfeindlichen Äußerungen schwankt«, schreibt Körtner im evangelischen Magazin Zeitzeichen. Das reformatorische Erbe sei »längst begraben«. Weil Luthers Lehre von der Erwählung der Glaubenden und Verwerfung der anderen zu sperrig sei, werde sie ins Gegenteil verkehrt: »Jeder kommt ins Paradies.« Dadurch habe man sich »katholischen Vorstellungen von der Kooperation des Menschen mit der göttlichen Gnade« angenähert und betreibe gewissermaßen »Werkgerechtigkeit«: Sozialpolitischer Aktionismus und Streben nach Gerechtigkeit auf Erden hätten aber mit Luther »kaum etwas zu tun«. Körtner beklagt einen »Totalausfall der evangelischen Dogmatik«. Die jüngeren evangelischen Theologen kehrten zum »Kulturprotestantismus zurück« und gäben sich mit »billigen Aktualisierungsversuchen« zufrieden.
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