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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2017
Steife Brise
Wie der Streit um die Windkraft gelöst werden kann
Der Inhalt:

Ende eines Mythos

Was bringen Ganztagsschulen? Nicht viel, zeigt jetzt der Jugendbericht

Viel hilft viel? Dass dies ein Mythos ist, zumindest wenn es um Pädagogik geht, belegt eindrucksvoll der 15. Kinder- und Jugendbericht, den das Kabinett jetzt vorgestellt hat. Wie viele Hoffnungen wurden an die Einrichtung von Ganztagsschulen geknüpft! Sie sollten benachteiligten Kindern und Jugendlichen bessere Chancen verschaffen, sollten soziales, emotionales und kognitives Lernen verknüpfen und helfen, Bildungslücken zu schließen. Fast nichts davon hat sich bewahrheitet; die Effekte seien »eher mäßig«, heißt es in dem Bericht, der die aktuelle Lebenssituation der 12- bis 27-Jährigen in Deutschland beschreibt.

Nach dem ersten Pisa-Schock folgten Bildungspolitiker allzu gern der schlichten Logik: Wenn Kinder nicht genug in der Schule lernen, müssen sie eben länger dort bleiben. Nur wenige Pädagogen – etwa Jesper Juul oder der verstorbene Wolfgang Bergmann – warnten, dass institutionelle Ganztagsbetreuung zwar viele Probleme der Erwachsenen, aber nicht unbedingt die der Kinder und Jugendlichen löst.

Jetzt zeigt sich: Sie haben recht behalten. Die Ursachen von Lernschwierigkeiten liegen meist tiefer. Ein hibbeliges ADS-Kind, das sich nicht konzentrieren kann, ein Sensibelchen, dem Gruppen ein Graus sind, ein verzweifelter Jugendlicher, der von Ängsten oder Zwängen gepeinigt ist, lernt in einer Ganztagsschule auch nicht besser. Mehr Unterricht kann nicht wettmachen, was an Urvertrauen, positiven Bindungserfahrungen, Erlebnissen von Selbstwirksamkeit oder schlicht an Sprachvermögen fehlt. Um solche Defizite aufzuholen, bräuchte es neue, ganz andere Modelle – und vor allem Menschen, die genug Zeit haben, Kinder und Jugendliche individuell zu begleiten. Viel hilft viel? Wenn