Zur mobilen Webseite zurückkehren
Schriftgröße ändern:

Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2017
Steife Brise
Wie der Streit um die Windkraft gelöst werden kann
Der Inhalt:

Das Dorf des Willkommens

Riace in Süditalien stand kurz vor dem Aussterben. Seit der Bürgermeister dort Flüchtlinge ansiedelt, geht es wieder aufwärts

Der Ortsname Riace wird mit langgezogenem »a« ausgesprochen, weich und melodisch, wie eine Einladung in eine andere Welt. Hinter diesem Namen verbirgt sich eine große Erzählung von einem kleinen aussterbenden Dorf, das Flüchtlinge aufnimmt – und damit neues Leben eingehaucht bekommt.

Jahrelang waren in Kalabrien, der ärmsten Region Italiens, nur die Alten zurückgeblieben. Die Jungen waren fortgegangen, um Arbeit zu suchen. So hatte Riace mehr als die Hälfte seiner 3000 Bewohnerinnen und Bewohner verloren, ein schrumpfendes Dorf, wie viele andere in dieser Gegend.

Und dann kamen die Flüchtlinge. Üblicherweise werden sie in Italien gleich nach der Ankunft in Lagern untergebracht, hausen dort unter erbärmlichen Bedingungen, ohne Privatsphäre, mit unzureichenden Sanitäranlagen und ohne ausreichende medizinische Versorgung. Es heißt, die Mafia habe das Flüchtlingsgeschäft für sich entdeckt, weil es mittlerweile lohnender sei als der Drogenhandel. In Riace ist alles anders. Schon das Ortsschild in Regenbogenfarben, umrandet von den Fahnen der Herkunftsländer der Flüchtlinge, lässt erahnen, dass dies kein gewöhnliches Dorf ist. An den Straßen stehen kleine Schiffe, die ebenfalls die Namen ferner Länder tragen: Eritrea, Ghana, Togo …

Die Dörfer in dieser Region haben zwei Ortsteile, einen am Strand, den anderen in den Bergen. Unten in Riace Marina schimmert das Meer klar und türkisfarben. Trotzdem hält sich der Tourismus in Grenzen. Ein paar Kilometer weiter im Landesinneren liegt Riace Superiore. Es ist belebt, anders als viele andere Bergdörfer. Am Ortseingang sitzen Familien auf Bänken, viele dunkelhäutig, manche Frauen tragen Kopftücher, die Kinder klettern auf bunten Spielgeräten.