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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2014
Der große Traum
Während im Westen die Euro-Angst grassiert, brennen die Osteuropäer für die europäischen Werte
Der Inhalt:

»Recht und Freiheit sind etwas Schönes«

von Barbara Tambour vom 14.02.2014
Dhaurgham Al-Dabagh erklärt als Integrationslotse Einwanderern, was den Deutschen wichtig ist

Als Rentner hatte ich viel Freizeit. Aber jetzt als Integrationslotse bin ich vollbeschäftigt. Ich versuche Ausländern, die neu in Deutschland sind, das deutsche Schul- und Gesundheitssystem zu erklären, und begleite sie, wenn sie einen Termin bei einer Behörde haben. Ich freue mich, wenn ich ein Missverständnis ausräumen kann. Mir ist die deutsche Kultur nicht fremd. Geboren bin ich im Irak, mit 17 Jahren kam ich nach Deutschland zum Deutschlernen. In München habe ich dann Elektrotechnik studiert und später in Aachen promoviert. Danach bin ich in den Irak zurückgekehrt und war Professor an der Uni. Doch weil ich nicht der Baath-Partei von Saddam Hussein beitrat, wurde es dort für mich immer schwieriger. Deshalb lehrte ich dann viele Jahre im Jemen Elektrotechnik und eine kurze Zeit auch in Libyen. Da bin ich wegen Gaddafi schnell wieder weg. Freiheit ist etwas Schönes. Wenn sich Ausländer über dies und das in Deutschland beschweren, sage ich: »Das mag ja sein. Aber dafür hast du hier Freiheit und du hast Rechte.« Mein jüngster Sohn hat in Deutschland studiert. Als ich ihn einmal besuchte, lernte ich meine jetzige Frau Andrea kennen. Wir heirateten, ich ging in Rente und zog nach Forchheim, einer Stadt mit 30 000 Einwohnern. Als hier bei uns Integrationslotsen gesucht wurden, war ich einer der Ersten, der die Ausbildung gemacht hat. Wir sind an das Bürgerzentrum angebunden. Versteht ein Asylbewerber den Brief einer Behörde nicht oder möchte auf das Amt begleitet werden, ruft er dort an. Wir Integrationslotsen bieten mittlerweile Unterstützung in 15 Sprachen an. Ich helfe Menschen, die Arabisch sprechen. Die meisten Missverständnisse entstehen ja, weil die Leute die Sprache nicht können. Kürzlich klagte ein Mann: »Die wollen mich aus der Sozialwohnung rausschmeißen.« Da sagte ich: »Das gibt es nicht. Du hast eine Kündigungszeit von drei Monaten. Zeig mir den Brief.« Der war vom August 2013. Auf der Behörde waren die Sachbearbeiter so nett! Sie erklärten, dass er jetzt eine Arbeitserlaubnis besitze und sich deshalb eine andere Wohnung suchen müsse. Er dürfe aber noch einen Monat bleiben. Von den Behörden in Forchheim habe ich eine hohe Meinung – so nette Leute muss man erst einmal finden.

Ausländern sollte man nicht nur die Sprache beibringen, sondern auch, wie die Deutschen denken: Zwölf Uhr ist zwölf Uhr – und nicht ein Uhr oder zwei Uhr. Ordnung ist ihnen wichtig. Die Deu

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