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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2014
Der große Traum
Während im Westen die Euro-Angst grassiert, brennen die Osteuropäer für die europäischen Werte
Der Inhalt:

Neue Chancen für alte Sachen

von Thomas Seiterich vom 14.02.2014
Ein Schenkhaus: Die nahezu geldlose Alternative zu den Supermärkten

In Schenkenzell, der kleinsten selbstständigen Gemeinde in Baden-Württemberg, entsteht in diesen Wochen etwas Besonderes: Die frühere Schlecker-Filiale wird umgestaltet zu einem »Schenkhaus«. Die Eröffnung dieses alternativen Warenhauses in dem Schwarzwaldort ist für März geplant. Betrieben wird das Schenkhaus von einer gemeinnützigen Interessengemeinschaft. Sie nennt sich Gabentisch.

Am »Tag der Menschenrechte«, dem 10. Dezember, hat sie Initiator Harald Im Spring mit Gleichgesinnten gegründet. Denn es soll in dem neuartigen Warenhaus fair und gerecht zugehen. »Eben den Menschenrechten entsprechend«, verspricht Gründer Im Spring. Jeder Bürger, auch Nichtvereinsmitglieder, könne im Schenkhaus gebrauchte und gespendete Waren unentgeltlich erstehen. Nach Zahlung eines Eintritts könne man die zum Weiterverschenken präsentierten Waren betrachten und auswählen.

Angebote für nicht eingelagerte Waren hängen als Fotos an einer Pinnwand. Die Kontaktdaten des Verschenkers oder der Verschenkerin werden bei Interesse an den Interessenten weitergegeben. »Diesen Service bieten wir Besuchern, die nicht auf unserer Internetseite stöbern können«, erklärt Im Spring. Alles hört sich an wie ein Spiel, nicht für Kinder, sondern für Große. Denn in Schenkenzell können »Dankwerker« auch Dienstleistungen im Selbsthilfenetzwerk in Anspruch nehmen oder aber anbieten. Diese Dienstleistungen werden dann mit »Dankmarken« abgegolten. Diese Dankmarken gelten wiederum als Rabattmärkchen im Bio-Laden, der ebenfalls im Schenkhaus eröffnet werden soll.

In einem »Kulturkaffee« im Schenkhaus kann man sich dann erholen, wenn einem der Kopf schwirrt vor lauter neuen, selbst gebastelten Wörtern wie »Dankwerker«, »Dankmarke« und »Verschenkerinnen«. Tatsächlich klingt das in mehrere Richtungen anspruchsvolle Projekt sprachlich ein wenig kompliziert.

Die Initiatoren rund um Harald Im Spring sähen es gerne, gäbe es »in jeder Stadt ein Schenkhaus: Orte, wo gut erhaltene, aber nicht mehr genutzte Dinge abgegeben und weiterverschenkt werden können – gegen ein geringes Eintrittsgeld zur Deckung der Kosten«. Ihre Heimat Schenkenzell habe, wie viele Gemeinden, mit zunehmendem Leerstand in Ladengeschäften und Gasthäusern zu kämpfen. »Denn Zentralisierung und Globalisierung führen unter dem Konkurrenzdruck multinationaler Konzer

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