Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2014
Der große Traum
Während im Westen die Euro-Angst grassiert, brennen die Osteuropäer für die europäischen Werte
Der Inhalt:

Kolumne Von Fabian Vogt: Mein Virenschutzprogramm

vom 14.02.2014

»Daf ift nur eine Frühlingsgribbe. Ganf harmlof«, krächzt meine Freundin Maike und niest mir zum Beweis ihre Keimflora mitten ins Gesicht, bevor sie mich mit einem völlig durchweichten Taschentuch in der Hand herzlich umarmt.

Ich zucke zusammen und torkele zwei Schritte zurück. »Was, nicht mehr ansteckend? Um ehrlich zu sein: Du siehst total krank aus. Wundgerubbelte Nase. Eine Stimme wie Joe Cocker. Und hervorquellende Augen, mit denen du jeden Gollum-Doppelgänger-Wettbewerb gewinnen würdest. Glaub mir: Ein leichtes Wachkoma wäre für dich eine klare Verbesserung.«

Maike hustet. Und man hört, dass sich irgendwelche Brocken in ihrer Kehle lösen, die sie mit gequältem Gesichtsausdruck hinunterschluckt. »Aba if fühle mif fon fiel beffer. Kannft du mal kurz halten?«

Sie streckt mir ihr grün gepunktetes Tempotuch hin. Als ich ausweiche, schiebt sie es irritiert in ihren Ausschnitt. Dann zückt sie ihren Kalender und deutet keuchend darauf: »Fiehft du! Iff kann mir einfach keine Krankheit gönnen.«

»Waf? Äh, was?« Ich schaue erschrocken in das Notizbuch. »Du willst heute Abend in ein Konzert? Du gehörst doch in Quarantäne.«

Sie schüttelt den Kopf. Trotzig. »Nein. Auf diefen Künftler freue if mif schon so lang. Daf will if nifft verpaffen.« Wieder explodiert ihr Gesicht in meine Richtung. »If laf mir doch nift von fo einer kleinen Gribbe den Tag verfauen.« Während sie sich die Nase putzt, löst sich das Taschentuch endgültig auf. »Daf ift aber auch eft hartnäckig diefmal. Dabei fing allef nur mit einem leichten Kratzen im Half an.«

»Spinnst du? Du wirst die ganze Stadt mit deinen Bazillen verseuchen. Nimmst du wenigstens ein Antibiotikum?«

Sie verzieht das Gesicht. »Natürlif nift. If schaffe daf mit meinen inneren Heilkräften … und mit folfen Globuli.« Der Rest ihres Satzes geht in einem fürchterlichen Husten unter. Irgendetwas Schleimiges trifft mich.

Da beschließe ich, aktiv zu werden. Mit einer innovativen Prophylaxe: Obwohl ich kerngesund bin, werde ich die nächsten vier bis zehn Tage das Haus nicht mehr verlassen. Zur Sicherheit. Wandelnde Infektionsherde wie Maike sind einfach zu skrupellos, als dass ich mich ihnen ausliefern dürfte – diesen Nährböden für Bazillen, Bakterien und Mikroben.

Doch meine grippegeimpft

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen