Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2014
Der große Traum
Während im Westen die Euro-Angst grassiert, brennen die Osteuropäer für die europäischen Werte
Der Inhalt:

Vorgespräch: Kann man Zweifel malen?

von Barbara Tambour vom 14.02.2014
Fragen an Ortrud Harhues, Koordinatorin der Kunstausstellung »Zweifel« in der Erpho-Kirche in Münster

Publik-Forum: Frau Harhues, Sie organisieren eine Kunstausstellung zum Thema »Zweifel«. Wie kann man den Zweifel denn künstlerisch darstellen?

Ortrud Harhues: Man kann malen, was zweifelhaft ist, woran zu zweifeln wäre, wie Zweifel aussieht und sich anfühlt. Man kann Situationen darstellen, die einen zum Zweifeln bringen. Genau das haben die Künstlerinnen und Künstler gemacht.

Wie sieht das dann aus?

Harhues: Ein Künstler hat zum Beispiel auf einem Quadratmeter hauchdünn Gold aufgetragen. Dieses Gold hat einen Riss. Darunter wird eine zweite Schicht hinter dem Gold sichtbar: eine Collage aus Zeitungsüberschriften. Das finde ich spannend! Eine Fotoarbeit zeigt Schlachthöfe der Welt. Sie heißt »Macht euch die Erde untertan« und will vermitteln: Wie wir mit unseren Mitgeschöpfen umgehen, das ist doch höchst zweifelhaft. Eine andere Künstlerin sät den Zweifel – wir werden sehen, was in den sieben Wochen der Ausstellung wächst. Außerdem gibt es Bilder, Installationen, Skulpturen …

Wie kamen Sie auf das Thema?

Harhues: Die Ausstellung wird von einer Gruppe aus der Gemeinde vorbereitet. Wir trafen uns vor eineinhalb Jahren im Atelier des Künstlers Hermann J. Kassel in der Eifel mit der Frage: Was ist dran? Wir wollen ja nicht bloß die Kirche dekorieren. Wir spürten eine große Unsicherheit bei uns, wir erlebten gerade die Fusion von sieben Pfarreien zu einer Großpfarrei, wir zweifelten, ob das eine gute Sache ist. Wenn wir über Zweifel sprachen, war am meisten Energie im Raum. So fanden wir das Thema.

Katholische Kirche und moderne Kunst haben normalerweise nicht viele Berührungspunkte. Wieso ist das bei Ihnen anders?

Harhues: Mit einer Krippen-Ausstellung vor 14 Jahren fing alles an. Da waren schon einige künstlerische Objekte dabei. Uns gefiel die Atmosphäre in der Kirche während der Ausstellung, die Auseinandersetzungen der Gottesdienst- und der Ausstellungsbesucher mit den Kunstwerken. Hinzu kommt, dass etliche Künstler in der Gemeinde leben und dass unsere Kirche ganz schlicht ist und sich dafür eignet. Mit der Zeit hat sich die Erpho-Kirche zu einer Kulturkirche entwickelt. Gemeinsam mit einem Programmkino zeigen wir im Kirchenraum auch Film

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen