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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2014
Der große Traum
Während im Westen die Euro-Angst grassiert, brennen die Osteuropäer für die europäischen Werte
Der Inhalt:

Deutliche Unklarheit

von Christoph Fleischmann vom 14.02.2014
Die Denkschrift der evangelischen Kirche zum Afghanistan-Einsatz zeigt es: Eine einheitliche evangelische Friedensethik ist nicht möglich

Stellungnahmen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zu aktuellen ethischen Fragen haben oft Kompromisscharakter. Deshalb können sich nachher meist Vertreter unterschiedlicher Positionen durch die entsprechenden Papiere bestätigt fühlen. Die »Kammer für Öffentliche Verantwortung« der EKD hat nun kürzlich eine Bilanz zum deutschen Afghanistan-Einsatz vorgelegt, bei der die Kammer keinen Kompromiss mehr gefunden hat – zu unterschiedlich waren die vertretenen Positionen. Daher hat man in dem Text an verschiedenen Stellen zwei Positionen präsentiert: Ein Teil der Kammer sagt so, der andere anders.

Diese Benennung des Dissenses ist für eine kirchliche Stellungnahme ein Novum. Im Effekt ändert das freilich wenig: Nun können sich noch mehr Positionen durch die Stellungnahme der Kammer bestätigt fühlen. Oder anders ausgedrückt: Wofür die evangelische Kirche nun eigentlich steht beim Thema Krieg und Frieden, das bleibt unklar.

Dabei sollte das Papier so etwas wie die Nagelprobe für die neue friedensethische Leitlinie der EKD sein. Im Jahr 2007 hatte die Kirche zum Thema Frieden eine Denkschrift vorgelegt – also jene Form kirch licher Äußerung mit der höchsten Autoritätsstufe. Damals war man stolz, die alte Lehre vom gerechten Krieg durch das neue Leitbild vom gerechten Frieden ersetzt zu haben. Mit der Afghanistan-Stellungnahme sollten nun die Leitlinien der Friedensdenkschrift auf einen konkreten Fall angewendet werden – um damit zweierlei zu klären: Ist der Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan als notwendiges und damit gerechtfertigtes Mittel anzusehen, um einen gerechten Frieden zu erreichen? Aber auch: »Bewährt sich das Leitbild des gerechten Friedens im Einsatz oder muss es von den Erfahrungen in Afghanistan her konkretisiert, präzisiert oder sogar korrigiert werden«, so der Ratsvorsitzende der EKD, Nikolaus Schneider, in seinem Vorwort zur aktuellen Stellungnahme.

Einerseits scheint es plausibel, dass Erfahrungen aus einer konkreten Konfliktsituation die Prinzipien korrigieren dürfen. Andererseits: Hatte man den Afghanistan-Einsatz im Jahr 2007 nicht auch schon vor Augen? Warum überprüft die EKD nach so kurzer Zeit die eigenen Positionen schon wieder? Zumindest die eine Fraktion der Kammer, die dem Militäreinsatz positiver gegenübersteht, »weicht von dem ab, was 2007 geschrieben worden ist«, wie es der Theologieprofessor Hans-Richard

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