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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2014
Der große Traum
Während im Westen die Euro-Angst grassiert, brennen die Osteuropäer für die europäischen Werte
Der Inhalt:

Der große Traum

von Adam Krzeminski vom 14.02.2014
Unterwegs nach Europa: Viele Demokraten in Polen, in der Ukraine und in anderen osteuropäischen Staaten sehnen sich nach Freiheit und Gerechtigkeit in der Europäischen Union – und hoffen, dass die Europäer im Westen dies endlich merken

Zwei osteuropäische Staaten, Lettland und Litauen, die erst 1991 der Sowjetunion und dem Rubel entronnen sind, treten der angeschlagenen Eurozone bei. Und dies ausgerechnet, während in Deutschland die euro skeptische Losung »Weg vom Euro« auch in manchen sogenannten Leitmedien der Mitte hoffähig geworden ist.

Und just zu der Zeit, als Athener, Römer und Madrilenen gegen Brüssel und Berlin demonstrierten, trat ein Balkanstaat, Kroatien, der Europäischen Union bei und ein anderer, Serbien, wurde mit dem »Brüsseler Europa« assoziiert.

Während London über einen Austritt aus der EU sinniert, harren in Kiew auf dem Maidan Zigtausende wochenlang bei klirrender Kälte im Protest gegen die Machthaber aus, die einen Assoziierungsvertrag der Ukraine mit der EU aussetzten, weil Moskau mit einer Drosselung der Energiepreise das hoffnungslos verschuldete Land »heim ins russische Reich« holen will.

Unter Deutschen gilt die Europäische Union als ineffizient. Doch gerade Polen gilt als Beispiel für die Effizienz der EU. 1990 lagen die Bruttoinlandsprodukte und auch die Sterblichkeitsraten Polens und der Ukraine gleichauf. Nun, fast 25 Jahre später, ist die jährliche Wirtschaftsleistung des EU-Mitglieds Polen dreimal so hoch wie die der Ukraine, und die Polen haben eine um fünf Jahre längere Lebenserwartung als die Ukrainer. Die polnische Bevölkerungszahl ist etwa gleich geblieben, während die alternde Ukraine sechs Millionen Einwohner verloren hat – elf Prozent ihrer Bevölkerung.

Und manch einen Polen erstaunt die Leichtigkeit, mit der sich seine Landsleute über die – von den Nationalkonservativen nach wie vor gepflegten – Geschichtstraumata hinwegsetzen. In allen Umfragen legen sie eine immer ungezwungenere Beziehung, ja Sympathie zum »Erbfeind« im Westen an den Tag – trotz des jahrelangen Streits um die Vertreibungen, trotz der Verärgerung über die deutschen Polenwitze oder die Geschichtsklitterung etwa in den polnischen Passagen des Fernsehfilms »Unsere Mütter, unsere Väter«.

Wenn ausgerechnet ein polnischer Außenminister, wie Radoslaw Sikorski 2011, die Deutschen offen zu mehr Führung in oder eher für Europa mahnt, dann muss die EU-Mitgliedschaft einen tiefen Wandel in Osteuropa verursacht haben. Daran ist nicht zu rütteln, auch wenn die Polen gegenüber einem raschen Euro-Beitritt sichtlich skeptische

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