Zur mobilen Webseite zurückkehren

»Grüße an den Chef in Pullach«

von Bettina Röder vom 13.02.2009
Wenn Journalisten beim Bundesnachrichtendienst auf dem Schoß sitzen oder aber bespitzelt werden, dann steht es schlecht um die Pressefreiheit. Und um die Demokratie

Der Journalist Christoph Maria Fröhder saß vor nicht allzu ferner Zeit morgens in Afghanistans Hauptstadt Kabul im Hotel. Da setzte sich ein unauffälliger Herr an seinen Tisch im Frühstückszimmer. »Junge, ich weiß nicht, ob das gut ist, was du heute vorhast«, sagte der im besten Deutsch. Und: »Wenn dir was passiert, bist du selbst dran schuld.« Der für seine unabhängige Kriegsberichterstattung bekannte Fröhder konterte: »Sagen Sie Ihrem Chef in Pullach schöne Grüße. Aber das ist meine Angelegenheit.« Ein wenig amüsiert erzählt er heute darüber, dass der BND offensichtlich in Erfahrung gebracht hatte, dass er sich an diesem Tag mit der Opposition, also auch mit Taliban-Anhängern, treffen wollte. Fröhder, als Reporter für die ARD den Fernsehzuschauern spätestens seit 1991 bekannt, als er live aus dem brennenden Bagdad berichtete, findet Fürsorge »ja ganz nett«. Aber »ausgerechnet vom Bundesnachrichtendienst«? Dann wird er ernst. »Die hören uns ab, wenn wir im Ausland sind. Das weiß man doch«, sagt der Journalist, der vorsichtshalber schon mal das Handy wechselt oder wichtige Adressen einfach nicht in seinem Notizbuch lässt.

Dabei ist das nicht seine erste Begegnung mit dem BND. Spätestens als Fröhder aktiv an der Enttarnung von Werner Mauss, einem der schillerndsten Privatagenten in der deutschen Nachkriegsgeschichte, beteiligt war, kam er nicht umhin, mit ihm zu reden. Bedingungen dafür hat er sich selbst gesetzt. Es geht um die Durchkreuzung der Konspiration, von der jeder Geheimdienst dieser Welt lebt. So hat er mit »diesen Leuten« nur gesprochen, wenn er auch seine Chefredaktion darüber informiert hatte. Und er traf sich stets mit ihnen an einem öffentlichen Ort, den er selbst in letzter Minute festgelegt hat.

Mit genau diesen beiden Seiten einer Medaille beschäftigte sich aktuell auch der BND-Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages. Es ging einerseits um die Bespitzelung von Journalisten durch den BND, andererseits um die Frage, inwieweit Kontakte von Journalisten zum Geheimdienst zulässig sind. In vier Sitzungen wurden Journalisten und hohe Geheimdienstmitarbeiter gehört. Dabei war eine wichtige Frage, inwiefern die Spitze des BND oder möglicherweise sogar das Bundeskanzleramt von Journalistenüberwachungen wussten.

»Wir haben zwei Löcher zu stopfen«, sagt der Jurist und Bündnisgrüne Hans-Christian Ströbele. Sechs Fälle von Journalistenbespitzelung sind bekannt. Einer davon flog jüngst auf. Betroffen war die

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen