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Freunde Seiner Heiligkeit

von Thomas Seiterich vom 13.02.2009
Wo bricht Ratzinger die Regeln? Wo taut der menschenscheue Papst auf? Im Kreis seiner geliebten Integrierten Gemeinde

Wo Gott, der Allmächtige, hinhaut, da entsteht in der Wüste ein Garten.« Auf diesen Satz kann man, vereinfacht und vergröbert, die Theologie, das Selbstverständnis und das Sendungsbewusstsein der Integrierten Gemeinde (IG) komprimieren. Die Wüste, das war die Ruinenstadt München der Nachkriegsjahre. Wüste ist heutzutage das wohlstandsmaterialistische Oberbayern der Gegenwart. Und der von Gott gewirkte Garten? Das ist in ihrer Selbstwahrnehmung die IG selbst: eine verbindliche Personalgemeinde von sehr überschaubarer Größe, die Arbeit, Alltag, Freizeit und gemeinsamen Glauben »integrativ« verbindet.

Erst als sie nicht mehr progressiv war, die Jugendbewegtheit der Anfänge ablegte und fromm und frömmer wurde, änderte die IG ihren Namen in Katholische Integrierte Gemeinde (KIG). Sie ist heutzutage eine Gruppe von engagierten, vornehmlich süddeutschen Katholiken, die - wie römische Beobachter meinen - »unheimlich viel« Macht besitzen, denn sie bilden das familiäre Freundes-Umfeld für Papst Benedikt XVI.

Joseph Ratzinger gilt als menschenscheu. Die leise, vorsichtige Distanz zu den Menschen, deren einfachen Glauben zu verteidigen er vorgab, hielt er als Kardinal und Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation aufrecht. Als Privatperson verkehrte er mit wenigen Vertrauten in der Glaubensbehörde und in seinem Haushalt, ferner mit dem Kreis um die römische Gräfin Borghese sowie im heimatlichen Regensburg mit seinem Bruder Georg Ratzinger und der Familie der erzkatholisch gewordenen Fürstin Gloria von Thurn und Taxis. Freundschaft jedoch pflegte und pflegt Joseph Ratzinger im Kreis der KIG.

In Rom ist allerlei Giftiges und Neidgetränktes über diese seltsame Connection zu hören. »Wenn der Fuchsbau Seiner Heiligkeit acht Eingänge hat, dann wacht an sieben jemand von der KIG, und an dem achten wacht der unbestechliche Don Giorgio, der päpstliche Privatsekretär Georg Gänswein«, seufzt der Korrespondent einer großen deutschsprachigen Zeitung, der namentlich nicht zitiert werden will. Römische Vatikanjournalisten fürchten das Thema Integrierte Gemeinde: »Zu heikel«. Also lässt man besser die Finger davon.

In der Tat: Als die selbstbewusste KIG sich in den 1990er-Jahren in Rom niederließ, da stießen ihre Kundschafter auf den Palast der Villa Cavaletti. Kuriale Quellen berichten eine Mixtur aus Fama und Fakten: Früher einmal war der Palazzo auf den klimatisch angenehmen Albaner Bergen unweit des päpstlichen Sommerpa

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