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Der Autist in Rom

von Thomas Seiterich vom 13.02.2009
Benedikt XVI. hat eine katastrophale Fehlentscheidung getroffen. Am besten wäre es, dieser Papst träte zurück

Er hat seine römisch-katholische Kirche wieder vereinen wollen - durch die Aufnahme der 1988 unerlaubt geweihten Traditionalistenbischöfe. Doch Benedikt XVI. erreicht exakt das Gegenteil: Dieser Papst spaltet die Kirche. Der Pontifex aus Deutschland erweist sich als ein Zerstörer - wider Willen.

Einer der vier von Benedikt XVI. in Gnaden und ohne Vorbedingungen wieder aufgenommenen Traditionalistenbischöfe, der rechtsextreme Exzentriker Richard Williamson, leugnet öffentlich die Existenz der hitlerdeutschen Gaskammern und den Holocaust. Hat der Papst, Jahrgang 1927, der in seiner Jugend in die Hitlerjugend gedrängt wurde, bedacht, welches Leid die Bischofsanerkennung eines Negationisten und Auschwitz-Verharmlosers für die überlebenden Opfer der Shoah bedeutet?

Der Papst aus Deutschland zertrümmert das nach Jahrhunderten amtskirchlicher Judenfeindschaft seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil 1962?65 aufgebaute gute Verhältnis zu den Juden. Sie seien »unsere älteren Brüder«, so hatte der charismatische Papst aus Polen, Johannes Paul II., oft erklärt - und Juden und Christen hatten dem in dieser Angelegenheit gewinnenden Karol Wojtyla das abgenommen. Doch wer nimmt die von Benedikt XVI. nun nach dem Supergau relativ teilnahmslos vorgetragenen Erklärungen zum katholisch-jüdischen Verhältnis noch ernst?

Der Papst wollte um jeden Preis die Traditionalistenbischöfe in die römische Hierarchie zurückholen. Er bereitete diesen Akt insgeheim vor, mithilfe einer kleinen und erzkonservativen Kommission namens Ecclesia Dei unter dem kolumbianischen Alt-Kardinal Castrillón Hoyos. Deren acht Mitarbeiter arbeiten - im Vatikan an nichts anderem als an der Heimkehr der Traditionalisten. Die gescheiten Fachleute in den Politikabteilungen des Vatikanstaats sowie die weltgewandten Kardinäle Walter Kasper und Jean-Louis Tauran im päpstlichen Ökumene-und Dialog-Rat - wurden nicht einbezogen. Auf Schmalspur und unbeirrt von Kollateralschäden verfolgt der Papst sein Ziel, die formale Einheit der katholischen Institution mit den Franco-Faschismus-freundlichen Ewiggestrigen herzustellen.

»Der Autist im Vatikan«, so charakterisieren kuriale Insider diesen Papst, der stets recht zu haben meint, jedoch nicht zuverlässig imstande ist, die menschlichen, ökumenischen und politischen Folgen seiner verletzenden Reden und Taten einzuschätzen. Zum Beispiel bei der Regensburger Rede, die 2006 den Islam beleidigte. Zum Beispiel beim Besuch im KZ Auschwitz im s

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