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Spürhunde gesucht, Einsatzpläne Mangelware

von Toni Keppeler vom 09.02.2001
Die Gefahr nicht ernst genommen: Die Politik war auf das Erdbeben nicht vorbereitet. Die Armen löffeln die Suppe aus

Natürlich gibt es einen Einsatzplan für Katastrophen«, sagt Herbert Chincilla vom Nationalen Notstandskomitee in San Salvador. Doch zugänglich für die Öffentlichkeit ist das Papier derzeit nicht. »Wir haben gerade zwei Kopien davon, und die werden dringend gebraucht.« Das sei typisch, kommentiert Luis Romano vom salvadorianischen Zentrum für Katastrophenschutz sarkastisch. »Man nimmt eine Katastrophe erst dann als Problem wahr, wenn sie schon passiert ist.«

Am 13. Januar ist die Katastrophe passiert. Ein Erdbeben der Stärke 7,6 auf der Richterskala erschütterte das mittelamerikanische El Salvador. Vermutlich 3000 Menschen wurden getötet. »Es war klar, dass das irgendwann passieren würde«, sagt Romano. Der mittelamerikanische Landkorridor ist ein unruhiges Gebiet. In El Salvador stehen auf einem Gebiet der Größe Hessens 60 aktive Vulkane. Vor der pazifischen Küste stoßen zwei Erdplatten aufeinander. Schwere Erdbeben gibt es alle paar Jahre. 1986 wurde bei einem das Zentrum der Hauptstadt San Salvador zerstört. 1982 hatte ein anderes am Vulkan im Norden der Stadt einen Erdrutsch ausgelöst. Ein Wohnviertel wurde verschüttet.

Trotz dieser Geschichte war die Regierung auf das Beben im Januar 2001 nicht vorbereitet. »Wenn es keine Katastrophe gibt, arbeitet das Notstandskomitee nicht«, sagt ein Regierungsbeamter. Im Haushaltsplan werden Jahr für Jahr gerade einmal 20 000 Mark für dieses ständige Gremium bereitgestellt. In El Salvador gibt es kein Spezialgerät zur Rettung von Verschütteten, keinen einzigen Spürhund. Ganze 30 Sanitäter wurden in den vergangenen Jahren zu Bergungskursen ins Ausland geschickt.

Umweltschützer weisen schon seit Jahren darauf hin, dass in der Stadt Santa Tecla Gefahr droht. Dort löste das Erdbeben einen Erdrutsch aus. Das Wohngebiet Las Colinas wurde verschüttet. Hunderte Menschen starben. Es war bekannt, dass der felsige Grund der dortigen Hügelkette mit lockerem Boden bedeckt ist, der abrutscht, wenn er keinen Halt mehr hat. Vor Ort ist deshalb seit 1989 das Fällen von Bäumen verboten.

Trotzdem wurde der Hang flächendeckend abgeholzt. Las Colinas war 1982 die erste Siedlung am Fuß der Hügelkette. Der große Boom begann acht Jahre später. Zwischen 1990 und 1995 wurden 17 000 neue Grundstücke erschlossen. Die ehemaligen Bürgermeister der Stadt schieben sich nun gegenseitig die Schuld zu. Keiner will auch nur ein Bauprojekt genehmigt haben. Beweise gibt es derzeit nicht. Auch das Rathaus von Santa Tecla lie

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