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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 2/2020
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Buchbesprechungen

vom 31.01.2020

Andreas Petersen
Die Moskauer
S. Fischer. 362 Seiten. 24 €

Wer die Geschichte der DDR verstehen will, kommt an diesem Buch nicht vorbei: Noch nie ist so lebendig, einprägsam und psychologisch genau über Enttäuschung, Verzweiflung und das Trauma deutscher Kommunisten geschrieben worden, die vor Hitler geflohen und in der Sowjetunion Sicherheit gesucht haben. Der Sowjetstaat war für sie zur Projektionsfläche geworden. Doch der Widerspruch zwischen Propaganda und Wirklichkeit enttäuschte die Emigranten. Zum Trauma aber wurden die Verfolgungen durch Stalins Geheimdienst. Unter Stalin kamen mehr Mitglieder des KPD-Politbüros ums Leben als unter Hitler. Die größte Demütigung widerfuhr den deutschen Kommunisten durch den Hitler-Stalin-Pakt von 1939. Er stürzte sie in totale Verwirrung, zumal ihnen jede Kritik daran untersagt war. Die Führungsriege um Pieck und Ulbricht war geprägt vom auf Denunziation beruhenden Terror, von der beständigen Lebensgefahr und vom Zwang absoluten Gehorsams. Mit diesen stalinistischen Prinzipien versuchte sie die DDR aufzubauen. Jürgen Israel

Antonia Grunenberg
Götterdämmerung
Herder. 612 Seiten. 40 €

Die ehemalige Oldenburger Professorin oder der Verlag betreiben Etikettenschwindel. Der griffige Haupttitel sagt nichts aus. Auch der erste Untertitel (»Aufstieg und Fall der deutschen Intelligenz«) hilft nicht weiter. Erst dem zweiten Untertitel (»Walter Benjamin und seine Zeit«) ist das anspruchsvolle Unterfangen zu entnehmen. Die chronologisch angelegte Biografie über den der Frankfurter Schule nahestehenden Intellektuellen Walter Benjamin (1892-1940) zeichnet sich durch große Sachkenntnis aus, ebenso durch Empathie, zum Teil durch Sympathie. Das hindert die Autorin nicht daran, problematische Aspekte, so Benjamins Verständnis für kommunistische Positionen, unumwunden zu benennen. Sie bettet sein Leben gut in die von Ideologien geprägte Zeit ein. Grunenberg nimmt bei ihren Schilderungen nie eine Schlüssellochperspektive ein. Benjamin, der sich 1940 auf der Flucht vor den Nazis umbrachte, pflegte intensive briefliche Kontakte zu Zeitgenossen wie Theodor W. Adorno, Bertolt Brecht und Gershom Scholem. Dieser Umstand kommt dem Werk, das sich mit Bewertungen zurückhält, sehr zugute. E

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