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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 2/2019
Regt! Euch! Ab!
Analyse einer gereizten Gesellschaft
Der Inhalt:

Von heiligen Bäumen und weisen Frauen

von Gaby Herzog vom 25.01.2019
Zum Weltjugendtag will das katholische Panama glänzen. Doch viele Menschen im Land sind arm, vor allem Indigene. Etliche sehen sich als Christen und leben zugleich ihre traditionelle Religion

Die mannshohen Buchstaben sind ein beliebtes Fotomotiv für die Touristen: »PANAMÁ« steht da als Skulptur in Beton gegossen. Dahinter die hochmoderne Skyline der Hauptstadt, dazu Palmen, gepflegter Rasen und das blaue Meer. Oh, wie schön ist Panama! Genau so will sich das kleine Land in Mittelamerika auch 2019 präsentieren. Rund eine halbe Million Ausländer werden zum Weltjugendtag vom 22. bis zum 27. Januar erwartet, die mediale Aufmerksamkeit ist garantiert. Und dieses Mal soll es in der Berichterstattung um Frieden und Nächstenliebe gehen und nicht um die schmutzigen Geschäfte der in Panama angesiedelten Offshore-Dienstleister. Der Weltjugendtag mit Papstbesuch ist gut fürs angekratzte Image.

Präsident Juan Carlos Varela ist begeistert und hat das sechstägige Kirchenevent kurzerhand zum »wichtigsten Ereignis in der Geschichte Panamas« und damit zur Staatsangelegenheit erklärt. Schließlich sind rund 85 Prozent der 3,6 Millionen Einwohner Panamas katholisch, Varela selbst steht dem Opus Dei nahe – und außerdem wird damit gerechnet, dass die Besucher rund eine Milliarde Euro im Land lassen.

Damit die Logistik während des Großereignisses einwandfrei läuft, wurden der Bau einer zweiten U-Bahn-Linie vorangetrieben, der Flughafen erweitert, Gehwege und Straßen saniert. Alle Veranstaltungen, an denen Papst Franziskus teilnimmt, dürfen auf der Cinta Costera, der sechsspurigen Hauptstraße neben der Uferpromenade, stattfinden – im Hintergrund die Wolkenkratzer der großen Banken, Shopping-Malls und der Trump-Tower.

Wie dem Pontifex selber diese Kulisse gefällt, lässt sich nur erahnen. Jedenfalls ist die soziale Realität in Panama weniger strahlend, als die Hauptstadt erahnen lässt. Nur in Brasilien geht die soziale Schere auf dem lateinamerikanischen Kontinent so weit auseinander wie hier. Durch die internationalen Banken und den Panamakanal mit der zweitgrößten Freihandelszone der Welt sprudeln die Milliarden ins Land – und doch leben rund 23 Prozent der Panamaer unterhalb der Armutsgrenze. Vor wenigen Wochen wurde in Colón, einer Stadt im Norden des Landes, ein Generalstreik ausgerufen, es gab blutige Proteste gegen ein Neubauprojekt. Um den Innenstadtkern zu sanieren, werden dort Tausende Wohnungen mit Polizeigewalt geräumt, die Menschen stehen auf der Straße und sollen sich am Stadtrand neu ansiedeln.

Der Papst hat bereits im Vorfeld betont, das

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