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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 2/2019
Regt! Euch! Ab!
Analyse einer gereizten Gesellschaft
Der Inhalt:

Streitfragen
zur Zukunft: Sind die Menschenrechte universell?

von Lisa Heemann vom 25.01.2019
Ja, und das ist besonders für Frauen wichtig. Nur so können sie ihre Rechte weltweit durchsetzen

Wie verschafft sie sich Gehör, wo die Tradition sagt, dass sie als Frau nicht gehört werden soll? Dass sie zu schweigen und zu folgen hat? Die Frau lacht. Sie sitzt in einem kleinen Büro in Sakhanya in der südafrikanischen Provinz KwaZulu-Natal mitten in grünen Hügeln, dort, wo die Traditionen den Alltag der Menschen bestimmen. Wenn sie mal wieder einen traditionellen Führer um ein Stück Land für eine Frau bitte, sage der erst mal »Nein«, erklärt sie. Die Begründung: »Frauen haben kein Recht auf Land bei uns.« Dann sagt sie: »So ist es nicht mehr. Die Dinge haben sich geändert. Wir haben jetzt eine Verfassung.« Das Herzstück dieser Verfassung ist der Menschenrechtskatalog. Die Verfassung hat sie immer dabei, in ihrer Handtasche. Zur Not holt sie sie heraus und haut damit auf den Tisch, erzählt sie und lacht wieder.

Die Rechte, auf die sich Frauen in Südafrika und anderswo berufen, sind universell. Die Gleichberechtigung aller Menschen ist das Kernanliegen der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948. Der Anspruch, dass alle Menschen ungeachtet ihres Geschlechts, ihrer Religion, Nationalität oder Hautfarbe frei und gleich an Rechten sind, gilt überall und ohne Unterschied. Das zählt zu den größten zivilisatorischen Errungenschaften des letzten Jahrhunderts. Für Frauen wurden die Rechte auf Nicht-Diskriminierung, auf politische Partizipation und gleichberechtigte Teilnahme am kulturellen Leben spätestens mit der Frauenrechtskonvention von 1979 konkret und verbindlich. Auf regionaler Ebene verabschiedeten die afrikanischen Staaten 2003 das Maputo-Protokoll, das den universellen Anspruch der Gleichberechtigung für Afrika explizit bestätigt.

Tatsächlich endet die universelle Akzeptanz von Menschenrechten aber oft, wenn es um Gleichberechtigung im Alltag geht. In einem Großteil der Fälle entzündet sich der Streit darüber, ob Menschenrechte universell sind oder durch Kulturen, Religionen oder Traditionen eingeschränkt gelten sollen, an den Rechten von Frauen. Gegen die Frauenrechtskonvention haben die Staaten mehr (rechtliche) Vorbehalte angebracht als gegen alle anderen Menschenrechtsverträge. Die Durchsetzung von Frauenrechten wird oft als Eingriff ins Private wahrgenommen und als Überstülpen eines westlichen Verständnisses von Menschenrechten.

Wie sieht das in Ländern wie Süda

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