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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 2/2019
Regt! Euch! Ab!
Analyse einer gereizten Gesellschaft
Der Inhalt:

Regt ! Euch ! Ab !

von Josefine Janert vom 25.01.2019
Im Internet lösen nichtige Anlässe einen Shitstorm aus. Im alltäglichen Leben wird gepöbelt, geschimpft, sogar geschlagen. Analyse einer gereizten Gesellschaft

Was ist eigentlich los? Sind wir aggressiver als früher? Wann hat das angefangen, dass gepöbelt, geschimpft und »gehatet« wird – und sogar Filme Hasstiraden provozieren? Im Herbst kam »Elternschule« in die Programmkinos, eine Dokumentation über die psychosomatische Abteilung der Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen. Dort hilft ein Team um den Psychologen Dietmar Langer Familien, deren Kinder stundenlang schreien, sich blutig kratzen, nicht einschlafen können, nicht essen wollen. Nachdem der Film zunächst von Filmkritikern gelobt wurde, hagelte es im Internet heftigen Widerspruch. Menschen, die »Elternschule« gar nicht gesehen haben konnten, fielen über Langer und die Filmemacher her und forderten allen Ernstes, den Film nicht mehr öffentlich zu zeigen.

Fast täglich berichten Medien, dass wieder jemand angepöbelt oder geschlagen wurde. Mal trifft es Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Behörden, mal Lehrerinnen. 2018 erschien eine Studie der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und des Verbandes der niedergelassenen Ärzte, des NAV-Virchow-Bunds, über Gewalt in Arztpraxen. Demnach kommt es im Schnitt zu 75 gewalttätigen Vorfällen – pro Tag. »Hier spiegeln sich Entwicklungen in unserer Gesellschaft wider: fehlender Respekt und ein hemmungsloser Egoismus«, sagte KBV-Chef Andreas Gassen dazu.

Aus Krankenhäusern ist zu hören, dass Patienten aggressiv werden, wenn sie lange warten müssen oder mit der Behandlung nicht einverstanden sind. Die Hochschule der Polizei Rheinland-Pfalz hat daher begonnen, Mitarbeitende von Notaufnahmen zu schulen: Sie trainiert Ärzte und Krankenschwestern darin, sich selbst zu schützen und gefährliche Situationen zu deeskalieren.

Kaffee-Attacke auf den schaffner

Schulungen dieser Art bietet auch die Deutsche Bahn ihren Angestellten an. Aus gutem Grund: Von 2011 bis 2017 ist die Zahl der Angriffe von Reisenden auf Mitarbeitende jedes Jahr gestiegen. Zuletzt lag sie bei 2550 Attacken im Jahr. Und die Täter sind nicht nur randalierende Fußballfans: Bahn-Sprecher Holger Bajohra berichtet von einem Geschäftsmann, der einem Zugbegleiter heißen Kaffee ins Gesicht schüttete. Dieser hatte ihn darauf hingewiesen, dass sein Ticket in diesem Zug nicht galt. Aus ähnlichem Anlass streckte ein gut gekleide

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