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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 2/2018
Publik-Forum Ausgabe 2/2018: 1968. Ein irres Jahr
Der Inhalt:

»Wir haben uns gewehrt«

Bruno Watara ist selbst aus Togo geflohen. Heute unterstützt er Geflüchtete, vernetzt sie und organisiert Proteste

Vor zwei Monaten habe ich dieses Video geschickt bekommen. Es zeigt Menschen. Viele tote Menschen. Ein Flüchtling hat es mit seinem Handy an der Küste Libyens aufgenommen. Die Toten liegen dort im Wasser, angeschwemmt nach einer gescheiterten Flucht. Vielleicht wurden sie von der Küstenwache angegriffen. So viele Menschen ertrinken im Mittelmeer, täglich. Diese Toten zu sehen und die Augen zu schließen wäre grausam. Darum habe ich dieses Video kommentiert und veröffentlicht.

Ich möchte, dass die Menschen hier in Deutschland hinschauen, denn es sind Europas Tote, dort an der libyschen Küste und überall im Mittelmeer. Die Hauptursachen der Migration sind Wirtschafts- und Handelsabkommen und die Kredite, die Europa für die sogenannte Entwicklung Afrikas gibt. Mit ihnen werden die afrikanischen Länder in die Schuldenfalle getrieben. Die Menschen haben keine Lebensgrundlagen mehr und müssen fliehen.

Ich bin selbst als Flüchtling nach Deutschland gekommen, vor zwanzig Jahren. Zu Hause in Togo hatte ich Informatik studiert und war in der Oppositionsbewegung gegen den Diktator Gnassingbé Eyadéma aktiv. Auf einer Demonstration wurde mein Freund erschossen. Ich konnte fliehen und das Land verlassen. In Deutschland kam ich für sieben Jahre in ein Lager in Mecklenburg-Vorpommern. Wir nannten es das »Dschungelheim«. Es lag weitab, mitten im Wald. Ich war verzweifelt, dort leben zu müssen. Aber Resignation ist gefährlich. Wir haben uns dann gewehrt und gefordert, dass sie uns nicht länger wie Tiere einsperren.

Heute helfe ich anderen Flüchtlingen, sich in Deutschland zurechtzufinden. Ich möchte, dass sie mit Respekt behandelt werden. Mir liegt vor allem das Schicksal derjenigen am He