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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 2/2018
Publik-Forum Ausgabe 2/2018: 1968. Ein irres Jahr
Der Inhalt:

Nachgefragt: Mehr Gewalt durch Flüchtlinge?

von Dirk Baas vom 26.01.2018
Die Sozialwissenschaftlerin Ulrike Hamann über Kriminalstatistik, Heime und die zivilisierende Kraft der Familie

Publik-Forum: Die Studie »Zur Entwicklung der Gewalt in Deutschland« der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften hat viele Schlagzeilen produziert. Demnach sind überwiegend Flüchtlinge für den Anstieg der Gewalttaten in Niedersachsen verantwortlich. Woran liegt das?

Ulrike Hamann: Geflüchtete und andere Personen mit Migrationshintergrund werden öfter angezeigt, während Delikte von Personen ohne Migrationshintergrund seltener zur Anzeige gebracht werden und damit auch seltener in der Polizeilichen Kriminalstatistik auftauchen.

Wer sind die Opfer?

Hamann: In der Studie über Niedersachsen wird deutlich: Im Fall von Tötungsdelikten und Körperverletzung haben auch die Opfer zu 75 bis 90 Prozent einen Flucht- oder Migrationshintergrund.

Sie sind also oftmals selbst Bewohner von Flüchtlingsheimen. Wie kommt das?

Hamann: Man muss die andauernde Situation der Bevormundung aller Alltagshandlungen vom Essen bis zur Körperhygiene berücksichtigen. Sie trifft auf Menschen, die womöglich Traumata durch Krieg und Flucht mitbringen und teilweise über Monate und Jahre in den Gemeinschaftsunterkünften nicht zur Ruhe kommen können.

In der Erhebung findet sich nur ein Satz zur Erklärung: »Beengte räumliche Wohnbedingungen in Flüchtlingsheimen und das Aufeinandertreffen von Menschen unterschiedlicher Regionen oder Länder haben offenbar sehr zur Entstehung solcher Gewaltkonflikte beigetragen.« Ist das nicht arg zurückhaltend interpretiert?

Hamann: Ich möchte die Arbeit der Kollegen nicht bewerten. Fest steht aber, dass die Bedingungen in den Massenunterkünften durch die mangelnde Privatsphäre nicht nur psychisch belastend sind, sondern auch wenig Sicherheit durch abschließbaren Rückzugsraum bieten. Insbesondere Frauen sind in ihrer Bewegungsfreiheit innerhalb der Unterkunft eingeschränkt.

Die Studie aus Niedersachsen begründet kriminologisch, warum Frauen und Familie »eine zivilisierende Wirkung« auf womöglich gewaltbereite Männer haben. Spricht nicht allein das dafür, den Familiennachzug hier Schutzsuchender zu erlauben?

Hamann: Selbstverständlich ist die derzeit praktizierte und auch

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